Tag Archives: Umweltschutz

Buchempfehlungen

Nachfolgend liste ich einige der zuletzt gelesenen und aus meiner Sicht sehr zu empfehlenden Bücher:

  • Claudia Kemfert: Kurzschluss. Wie wir unsere Energiezukunft verspielen. Campus, Frankfurt 2026:
    Klappentext: „Heizungshammer“, „Verbotskultur“, „Dunkelflaute“ – die Energiewende zerreißt Familien und Freundeskreise, spaltet Gesellschaft und Wirtschaft. Wie lange bleibt unsere Zukunft noch planbar? Was wird aus meinem Eigenheim, wenn die nächste Krise kommt? Wer wird am Ende wirklich zahlen müssen? Rast Deutschland sehenden Auges in den Abgrund? Die brutale Realität: Das 1,5-Grad-Ziel ist Geschichte, Ressourcenkriege verwüsten bereits ganze Kontinente. In ihrem neuen Buch konfrontiert Claudia Kemfert uns mit den heute neu gestellten klimapolitischen Fragen und deckt auf, wo Mythen gefährliche Realitäten verschleiern. Sie zeigt, welche Technologien noch funktionieren könnten und wie der Gasausstieg Deutschland zum Technologie-Weltmarktführer macht – wenn uns die Zeit bleibt.
    Rezension in der SZ v. 12.04.2026: Die Energieökonomin Claudia Kemfert schreibt erneut gegen die Märchen der Öl- und Gaslobby an und listet trotz aller Anfeindungen die Vorteile der Klimawende auf. Der Iran-Krieg gibt ihr auf tragische Weise recht. …. Mit ihrem neuen Buch wolle sie der Desinformation Fakten entgegenstellen, sagt Kemfert. Sie listet Daten und Argumente auf, die für eine konsequente Energiewende sprechen, was dazu führt, dass am Ende weitere 17 Seiten klein gedruckte Quellenangaben notwendig sind. So handelt ein ganzes Kapitel von Stromspeicher-Technologien, mit denen die wetterabhängige Wind- und Sonnenenergie über den Tag in die Nacht und auch über den Winter gebracht werden können. Kemfert beschreibt, wie die Strompreise zustande kommen und warum erneuerbare Energien den Preis niedrig halten. Aktuell bestätigt in der Iran-Krise. Elektroautos seien besser als ihr Ruf, und ein eigenes Haus energetisch zu sanieren und auf Wärmepumpe umzustellen, diene dem Werterhalt. Auch für die Erbengeneration. Es ist aber vor allem ein Buch gegen das Weiter-so. Und gegen die Kräfte, die alles daransetzen, dass sich so wenig wie möglich ändert. ….“
    weitere → Rezensionen zu Büchern von Claudia Kemfert.
  • Daniel GlattauerIn einem Zug“, DuMont Köln 2025: … mein Jahrgang, mein Humor 🤣, meine Leseempfehlung Roman des Jahres 2025:
    Klappentext: Eduard Brünhofer, ehemals gefeierter Autor von Liebesromanen, sitzt im Zug von Wien nach München. Nicht unbedingt in der Absicht, sich mit der Frau frühen mittleren Alters im Abteil zu unterhalten. Schon gar nicht in der Absicht, mit ihr über seine Bücher zu sinnieren. Erst recht nicht in der Absicht, über seine Ehejahre mit Gina zu reflektieren. Aber Therapeutin Catrin Meyr, die Langzeitbeziehungen absurd findet, ist unerbittlich. Sie will mit ihm über die Liebe reden. Dabei gerät der Schriftsteller gehörig in Zugzwang.  »Was befähigt einen Autor, über die Liebe zu schreiben?«, fragt sie.  »Ihre Frage ist klüger als jede Antwort darauf«, erwidere ich.  »Danke. Probieren Sie es trotzdem.«
  • Barbara BleischIn der Mitte des Lebens“ (2024): Was für eine scharfsinnige Beobachterin und Analystin. Was für eine phantastische Erklärerin, was für eine Sprachkunst. Ein kluges, wissenschaftliches (auch die Quellenangaben und die Anmerkungen in den Fußnoten sind überaus lesenswert) gleichzeitig sehr verständliches wie verständnisvolles Buch (keine plumpe Ratgeberliteratur), welches das Potential der mittleren Lebensspanne (definiert als Altersspanne zwischen 35 und 65 Jahren 😅) und der Zeit darüber hinaus differenziert wie tiefgehend in einer praktischen „Philosophie der besten Jahre“ aufzeigt. Das ist meine Leseempfehlung des Jahres in der Kategorie Sachbuch, wobei es weit mehr als das ist. Da steckt so viel drin an Fragen, Fakten und Wissen, an Reflexion und Einsicht, dass man das Buch gerne drei oder vier Mal lesen will, weshalb ich es mir gleich nach der Rückkehr in einer analogen Printausgabe zulegen (so praktisch der online Reader auf Reisen ist, es fehlt mir die Möglichkeit, im Buch arbeiten, mit Bleistift unterstreichen und Anmerkungen machen zu können) und auch gern (auch an jüngere Jahrgänge) verschenken werde. Allein die aus meiner Sicht prägnantesten Zitate füllten viele Seiten, die dieser Reisebericht nicht hergibt.
  • Michel FriedmannMensch! Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten“ Berlin Verlag 2024.
    Klappentext: »Verzweifelt, weil ich sehe, wie ein großer Teil der Menschen aus der Geschichte nicht lernt. Verzweifelt, weil die Demokratie, die mir das Leben ermöglicht hat, zerbröselt.« Demokratie ist nie statisch, sondern dynamisch. Sie lebt durch die Menschen, die ununterbrochen an ihr arbeiten. Wer wüsste das besser als Michel Friedman. Er ruft dazu auf, endlich zu handeln – für Freiheit und Menschenrechte. Ein Weckruf, die Demokratie nicht nur zu verteidigen, sondern aktiv zu gestalten. Mit klaren Analysen entlarvt er die Gefahren von Resignation, mediengetriebener Sensationslust und unerfüllten Versprechen. Dieses Buch fordert heraus, irritiert und inspiriert zugleich. Es ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die Demokratie. Ein drängender Appell, für Würde, Rechte, Vielfalt und Freiheit zu kämpfen, bevor es zu spät ist. Wer jetzt nicht eingreift, macht sich zum Komplizen. In einer Zeit, in der Demokratie und Menschenrechte täglich von Extremisten und Autokraten angegriffen und Demokratien bereits in Teilen von »illiberalen Demokraten« übernommen und zunehmend autoritär und totalitär geführt werden, ruft Michel Friedman dazu auf, nicht nur mutig zu diskutieren, sondern zu handeln. Von einer der wichtigsten Stimmen des Landes. »Es ist doch die Vielfalt, die es uns ermöglicht hat, über das Denken nachzudenken. Unsere eigene Widersprüchlichkeit nicht mehr als Bedrohung, sondern als Ansporn zu verstehen. Sie hat uns Wissen, Wissenschaft gebracht. Sie hat uns gezeigt, dass Suchen und Weitersuchen die Kraft des Fortschritts sind und dass Wissen nicht ewig gilt. Sondern durch ewiges Weiterfragen zum nächsten Wissen führt. Denn Wahrheit ist ein unglaubliches Versprechen, das man hinterfragen muss.«
  • Andrea Wulf  „Fabelhafte Rebellen Die frühen Romantiker und die Erfindung des Ich“, München 2024
    Klappentext: Um 1800 galt die Idee vom freien Individuum als brandgefährlich. Und doch wagte es eine Gruppe von Denkern in der Universitätsstadt Jena, das Ich in den Mittelpunkt ihres Denkens, Schreibens und Lebens zu stellen. Zu diesen fabelhaften Rebellen gehörten die Dichter Goethe, Schiller und Novalis, die Philosophen Fichte, Schelling und Hegel, die genialen Schlegel-Brüder und Alexander von Humboldt sowie ihre Muse, die freigeistige Caroline Schlegel. Während die Französische Revolution die politische Landschaft Europas veränderte, entfachten diese jungen Romantiker in Jena eine Revolution des Geistes. Bestsellerautorin Andrea Wulf erzählt fesselnd, wie sich ihr Leben zwischen wortreichen Auseinandersetzungen, aufsehenerregenden Skandalen, leidenschaftlichen Liebesaffären und vor allem radikalen Ideen bewegte, und erklärt, warum auch wir bis heute zwischen den Gefahren der starken Ichbezogenheit und den aufregenden Möglichkeiten des freien Willens schwanken. »›Fabelhafte Rebellen‹« ist eine Möglichkeit, die deutsche Geistesgeschichte zum Tanzen zu bringen, sie für sich persönlich zu entdecken und unglaublich viel für das eigene Leben zu lernen.« Denis Scheck >
  • Andrea Wulf „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur; München 2018
    Klappentext: Er war seiner Zeit weit voraus: Alexander von Humboldt, Universalgelehrter, unermüdlicher Naturforscher, der »zweite Kolumbus« und »Wiederentdecker Amerikas«. Wie kein anderer Wissenschaftler prägte er unser Verständnis von der Natur als lebendigem Ganzen, als Kosmos, in dem alles miteinander verbunden ist und dessen untrennbarer Teil wir sind. In ihrer vielfach ausgezeichneten Biografie führt Andrea Wulf durch das abenteuerliche Leben Humboldts und sein Werk. Er begreift die Natur in ihrer ganzen Fülle als Lebensnetz und prägt damit auch unser Wissen um die Verwundbarkeit der Erde. So bleibt er unverändert wichtig – bis heute.
  • Richard Dawkins „Die Poesie der Naturwissenschaften“: Autobiographie; Ullstein, Berlin 2016
    Klappentext: Richard Dawkins erzählt die Geschichte seines Lebens – von der Kindheit im kolonialen Afrika über sein Studium in Oxford bis zur Karriere als einer der einflussreichsten Wissenschaftler weltweit. Er berichtet von seiner Ankunft im Flower-Power-Kalifornien der 60er Jahre, von der Party zum 42. Geburtstag seines Freundes Douglas Adams, den freundschaftlichen Streitgesprächen mit dem Erzbischof von Canterbury, von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Evolutionsbiologie und seiner großen Liebe zur Lyrik. Richard Dawkins ist nicht nur ein herausragender Naturwissenschaftler, er ist auch ein begnadeter Erzähler. Anhand seines weitverzweigten Familienstammbaums erklärt er die Vererbungslehre, und die Entwicklung der Theorie des egoistischen Gens wird bei ihm zum Wissenschaftsthriller. Wenn er beschreibt, wie er vom Gläubigen zum Atheisten wurde, versteht man, welche Rolle Religion für den Menschen spielt.

Rechte der Natur – Tagung in Hannover 2025

Rechte der Natur – Ein notwendiges Instrument zur Rettung unserer Lebensgrundlagen
Artensterben, Klimawandel und globale Vermüllung sind Folgen der Wachstums- und Gewinnlogik unserer Produktions- und Lebensweise. Sie zerstört die Grundlagen ihres eigenen Überlebens: Landschaft, Wildnis, Natur.
Weltweit gehen verschiedenste Akteur:innen gegen diese Bedrohung vor, indem sie der Natur eigene, einklagbare Rechte verleihen. Damit soll eine „juristische Waffengleichheit“ zwischen ökonomischen Interessen und dem Lebensinteresse der Natur (also auch der Menschen) hergestellt werden.  In über 40 Ländern finden sich bereits Beispiele dafür. In Ecuador haben die Rechte der Natur 2008 Verfassungsrang erlangt. In Europa ging Spanien voran und erklärte 2022 die schwer geschädigte Lagune Mar Menor zur Rechtsperson mit Klagerecht.
Die Tagung befördert den weltweit geführten juristischen und politisch-ökologischen Diskurs über die Rechte der Natur auch in Deutschland weiter, indem sie

  • wissenschaftliche und politische Perspektiven zur ökologischen Transformation des Verhältnisses Mensch – Natur und zur rechtlichen Ausgestaltung dieser Transformation zusammenführt,
  • internationale Erfahrungen unterschiedlicher Rechtsordnungen mit der Umsetzung von Rechten der Natur in die Praxis betrachtet und
  • verschiedene Perspektiven zum Aufbau von zivil-gesellschaftlicher Handlungsmacht diskutiert, die der Forderung nach Ausstattung der Natur mit eigenen Rechten auch in Deutschland mehr Resonanz in der Öffentlichkeit verleihen kann.

Flyer Tagung Eigene Rechte für die Natur

Tagung: Eigene Rechte für die Natur.
Donnerstag, 2. Oktober, 14 Uhr bis Samstag, 4. Oktober 2025, 12 Uhr
Zentrum für Erwachsenenbildung (ZEB)
Kirchröder Straße 44
30625 Hannover

Kosten:
259,- € für Teilnehmende von Donnerstag bis Samstag (Ü/EZ/V)
55,- € für alle Tagesgäste/pro Tag (V)
Ermäßigte Preise mit Ausweis auf Anfrage für Schüler:innen, Azubis, Freiwilligen-Dienst-Leistende, Studierende, Empfänger:innen von Bürgergeld/Sozialhilfe.

Anmeldung:
zeb-seminare@dachstiftung-diakonie.de
https://t1p.de/Rechte-der-Natur
Kontakt: Elke.Hartebrodt-Schwier@dachstiftung-diakonie.de
Tel.: 0511-5353-353

 

In diesem Zusammenhang hier nachfolgend der Beteiligungsaufruf von Scientist for Future (S4F) zur Klimademo am Samstag 20. 09.2025

Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, und schon jetzt betrifft sie uns alle. Am Samstag, dem 20. September, ruft Fridays for Future bundesweit zur großen Herbstdemonstration auf. Wir möchten euch herzlich einladen, sich ihnen anzuschließen und gemeinsam ein starkes Zeichen für entschlossenes Handeln zu setzen.
Eine Übersicht über die Demonstrationszeiten und -orte findet ihr hier: https://fridaysforfuture.de/klimastreik/
Mit besten Grüßen (alphabetisch): Prof. Dr. Pietro P. Altermatt, Universität Oxford, UK; Prof. Franz Baumann, Ph.D., Georgetown University, Washington, DC; Prof. Jan Blieske, Hochschule Wismar; et al. …..
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Appell von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland an die Politik

Der nachfolgende Apell ist von der deutschen Sektion der Scientist for Future/ Universität Bayreuth initiiert und mittlerweile von nahezu 12.000 Wissenschaftler:innen unterzeichnet worden. Scientists for Future (S4F, auch Scientists4Future) ist ein Scientist for Futureüberinstitutioneller, überparteilicher und interdisziplinärer Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die sich für eine nachhaltige Zukunft engagieren.

Sehr geehrte Volksvertreterinnen und Volksvertreter,
als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland sind wir in großer Sorge. Die Klima­krise und weitere Umweltkrisen (Biodiversitätsverlust, Überlastung biogeochemischer Stoffkreisläu­fe, …) sind mittelfristig die größte Bedrohung für Sicherheit, Wirtschaft und Wohlstand, Demokratie, Zivilisation und Menschenleben. Dennoch spielten diese Themen im Bundestagswahlkampf fast keine Rolle. Die jüngsten außenpolitischen Zuspitzungen könnten diese Themen noch weiter an den Rand drängen. Doch diese Bedrohung darf nicht verdrängt werden. Ihr muss gerade jetzt effi­zient begegnet werden.

Wir appellieren daher an alle demokratischen Parteien, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, und erwarten insbesondere von der zukünftigen Bundesregierung:

  1. Ein klares Bekenntnis zum Klimaschutzgesetz und zum Green Deal. Alle Bestrebun­gen, diese Regelungen aufzuweichen oder zu untergraben, müssen entschieden zurückge­wiesen werden. Zur Einhaltung der Ziele müssen ein regelmäßiges Monitoring erfolgen und ggf. Maßnahmen zur Nachsteuerung ergriffen werden.
  2. Eine ehrliche Kommunikation der Herausforderungen und Probleme gegenüber der Bevölkerung. Die Bekämpfung der Klima- und weiterer Umweltkrisen erfordert Verände­rungen in allen Lebensbereichen. Wir sehen es deshalb als zwingend erforderlich an, dass die demokratischen Parteien den anstehenden Problemen nicht ausweichen, sondern diese gemeinsam konstruktiv angehen.
  3. Eine Ausrichtung der Entscheidungen an den technisch-wissenschaftlichen Fakten. Weder die Kernspaltung noch die Kernfusion werden einen relevanten Beitrag zum Errei­chen der deutschen Klimaziele leisten können. Das gleiche gilt für E-Fuels und Wasserstoff im Straßenverkehr und für die Wärmeversorgung in Gebäuden. Schlüsseltechnologien für die Abkehr von fossilen Brennstoffen in Deutschland sind erneuerbare Energien, insbeson­dere Wind und Photovoltaik, diverse Speichertechnologien und intelligente Netze, Wärme­pumpen, batterieelektrische Antriebe sowie grüner Wasserstoff als chemischer Grundstoff und Langzeitspeicher.
  4. Einen klaren Kurs in der Klimapolitik. Eine Kehrtwende im Klimaschutz schadet auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland, denn Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Regeln, die sich ständig ändern, verursachen hohe Kosten und verstellen den Weg zu inno­vativen Geschäftsmodellen jenseits fossiler Brennstoffe. Wirtschaft und Klimaschutz müs­sen Hand in Hand gehen. Gerade die aktuellen außenpolitischen Krisen zeigen, dass die starke Abhängigkeit von fossilen Importen Deutschland und Europa verletzlich macht.  
  5. Eine wahrnehmbare soziale Komponente aller Klimaschutzmaßnahmen. Zentral ist hier die Rückzahlung eines Großteils der durch CO2-Bepreisung eingenommenen Mittel als Klimageld. Ohne eine soziale Komponente wird die deutsche Klimaschutzpolitik nicht er­folgreich sein.

 

Quellen: Scientists for Future (S4F, auch Scientists4Future) / Universität Bayreuth v. 12.03.2025

Scientists for Future (S4F, auch Scientists4Future) v. 12.03.2025