Tag Archives: Restorative Justice

Restorative Justice aus viktimologischer Perspektive

Demnächst erscheint im von Gina Rosa Wollinger und Ulrike Zähringer herausgegebenen Handbuch Viktimologie– Theoretische Grundlagen, empirische Befunde und rechtliche Praxis (Wiesbaden 2026; ISBN 78-3-658-48466-8) mein Beitrag Restorative Justice aus viktimologischer Perspektive (S. 1177 – 1196). (doi.org/10.1007/978-3-658-48467-5), in dem die RJ-Praxis insbesondere aus der Perspektiven der Opfer untersucht werden.

In diesem Beitrag werden (1.) die (begrifflichen, historischen, konzeptionellen) Wurzeln sowie (2.) die Wesenselemente der mittlerweile in der westlichen Hemisphäre praktizierten Restorative Justice-Ansatzes (RJ) beschrieben. Im Hinblick auf die Opferbedürfnisse und Resultate der RJ-Projekte werden die empirischen Erkenntnisse im 3. Abschnitt kurz zusammengefasst, bevor unter 4. der Blick auf einige wichtige rechtliche Regelungen geworfen wird. Letztlich (5.) geht es um die Frage, ob Restorative Justice tatsächlich ein neues, Opferinteressen hinreichend berücksichtigendes Konfliktregelungsparadigma darstellt.

Kritisch betrachtet wird in diesem Beitrag die mitunter „falsch verstandene“ Gemeinwesenorientierung bzw. die Instrumentalisierung der Opfer in sog. RJ-Projekten, in denen entgegen der auf Balance zwischen Opfern und Beschuldigten ausgelegten RJ-Grundkonzeption, die Interessen der Opfer gegenüber denen des Gemeinwesens hintangestellt werden. Opfer kommen in diesen Konzeptionen eher funktional oder gar nicht vor; manche Verfahren, Instrumente oder gar Sanktionen (community service, compensation orders, paying money to a charity organization) werden als „restorative“ apostrophiert, unabhängig davon, ob die Einbeziehung der Deliktsopfer konzeptionell vorgesehen ist. Dabei werden „restorative justice“- und „community justice“-Ansätze vermischt und die begrifflichen und konzeptionellen Unterschiede zwischen Restorative Justice und Community Justice  nicht immer hinreichend beachtet

Mediation und RJ in Australien und Europa

Zum 5. Mal nach 2001/02, 2006, 2011/12 und 2017 war ich von Okt – Dez. 2025 für längere Zeit down under
und habe meine Kontakte und mein Wissen über ADR und Mediation in Australien aufgefrischt und über die Entwicklung der Mediation
und von Restorative Justice in Deutschland berichten dürfen.
Vielen Dank für die Organisation und den fachlichen Austausch insb. an

Dr. Peter Johnstone und die (ehem.) Kolleg:innen aus der Dispute Resolution Branch in Brisbane, Queensland,

an Prof. Dr. Jeff Giddings, School of Law/Law Clinic, Monash University, Melbourne sowie

Dr. Serge Loode, Director of Peace and Conflict Studies Australia – PaCSIA
und Peacemaking Officer im Neighbourhood Justice Centre (NJC) in the City of Yarra/Victoria (einer der ältesten Stadtteile der Metropole
 Melbourne) und seinen Kolleg:innen am NJC.


Vielen Dank auch an die Teilnehmer:innen meines Restorative Justice Seminars für die vielen, kundigen Fragen und große Diskussionsbereitschaft.

 

 

 

 

 

 

Prof. Trenczek ist das 4. Quartal 2025 zu einem Forschungsaufenthalt in Australien. Anfragen werden deshalb nicht in der gewohnten Schnelligkeit beantwortet.

Restorative Justice, Mediation und TOA – Unterschiede und Standards

[Dieser Beitrag ist auch auf der „Schwesterseite“ des SIMK erschienen. Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Mediation und „Alternative Dispute Resolution„]

Die Idee einer Restorative Justice wird in Deutschland in seinen Wesensmerkmalen (Opferperspektive/Wiedergutmachung, aktive Teilhabe/Partizipation, Gemeinwesenansatz) nur ansatzweise umgesetzt. Im Wesentlichen geht es hier zu Lande um die bilaterale Konfliktvermittlung in strafrechtlichen Konflikten zugunsten eines sog. Täter-Opfer-Ausgleiches. Es ist deshalb erforderlich, dass die Begriffe/Konzepte „Restorative Justice“, „Mediation“ sowie „Täter-Opfer-Ausgleich“ geklärt, die Unterschiede verstanden und die gesetzlich normierten, fachlichen Mindeststandards der Vermittlung in strafrechtlich relevanten Konflikten eingehalten werden (vgl. die nchfolgende Lesehilfe sowie das Glossar). In der letzten Zeit sind hierzu einige Beiträge von Thomas Trenczek erschienen:

Lesehilfe/Glossar: Zum besseren Verständnis soll vorab auf die begrifflichen Unterschiede hingewiesen werden, die in den o.g. Beiträgen eingehend erläutert werden:

  • Restorative Justice (RJ) RJ bezeichnet ein die traditionelle Vergeltungslogik (retributive justice) und Strafphilosophien überwindendes Gerechtigkeitskonzept unterschiedlicher Reichweite.
  • Mediation ist ein Konfliktlösungsverfahren (§ 1 Abs. 1 MediationsG), in dem Konfliktparteien mit Unterstützung einer*s Dritten (= Mediator*in) eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben.
  • Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) ist eine in den strafrechtlichen Vorschriften (StGB, StPO, JGG) geregelte Rechtsfolge (Verfahrensentscheidung oder Sanktion), die sich an eine zwischen den Beteiligten gefundene Konfliktregelung/getroffene (Ausgleichs­‑)Vereinbarung anschließen kann.