In Ergänzung zu der Sammlung von bemerkenswerten Beiträgen aus Fachpublikationen und Qualitätsmedien (→ 2026)(→ 2025)(→ 2024) werden einige dieser Publikationen hier auf dieser Seite ausschnittsweise bzw. hervorragende in ihnen formulierte Gedanken(splitter), Erkenntnisse, Wissensteile und Perspektiven (ggf. gekürzt) wiedergegeben, weil diese so beeindruckend klar formuliert sind, dass mensch es kaum besser ausdrücken könnte:
- Antisemitismus: „Antisemitismus lebt nicht nur von Hass, sondern immer auch von Wegsehen, von Schweigen und dem Wunsch, sich nicht positionieren zu müssen. …Der gefährlichste Verbündete des Hasses ist nicht der Radikale, sondern der Gleichgültige. Gerade deshalb richtet sich Erinnerung nicht nur gegen Extremismus. Sie richtet sich an die Mitte der Gesellschaft. Sie fordert Haltung ein – nicht Empörung, sondern Verantwortungsbewusstsein. Nicht Worte, sondern Taten. Antisemitismus lebt vom Hass der Wenigen – und vom Schweigen der Vielen.“ (Martin Moszkowicz in der SZ v. 26.01.2026; → Presse und Medien)
- Bürgerschaftliches Engagement und Haltung: „Was tun angesichts der Weltlage? Hilfe für die Ukraine, die mutigen Menschen in Iran? Geht uns alle an. Denn auch, wenn sich angesichts des Siegeszugs der Despoten derzeit viele machtlos fühlen: Europa hat viele Trümpfe in der Hand – konsequenter Konsumentenprotest etwa wirkt. … Man muss sich das Schweigen der Täter nicht zu eigen machen, in einer offenen Gesellschaft darf man auch sagen, was noch nicht ist. Demokratie bedeutet nicht zu warten, bis die Meinungsforscher anrufen und fragen, was man am kommenden Sonntag tun würde, wenn Wahl ist. Die immensen Vorteile, die man als Bürger der Europäischen Union genießt, verpflichten auch zu einem bürgerlichen Engagement und dazu, schon mal darüber nachzudenken, wie man im Lichte eigener moralischer Werte sein Leben ändern kann.“ (Wer schweigt, ist Täter. Nils Minkmar in der SZ v. 25.01.2026; → Presse und Medien)
- Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Gefahr: Die sog. sozialen Medien „sind ein brutales Instrument des Kapitalismus. Algorithmen machen aus allem, was wir inhaltlich beschreiben können, eine kommerziell zugespitze Ware. Sie verkaufen uns, denn sie haben nichts dagegen, dass Mächte wie Russland, aber auch China, mit ihnen unsere Demokratien angreifen. Tiktok ist eine Plattform, die primär Propaganda und Lügen verbreitet. Sie lässt ihre Konsumenten manipulieren und verdummen.“ … „Dass wir Verantwortung tragen, jeder von uns, das haben wir verdrängt. Wir haben 20 bis 30 Jahre in einer Art Schlaraffenland gelebt, jedenfalls 80 Prozent der Bevölkerung. Und haben gedacht, es werde immer so weitergehen. Wir haben gedacht, wir könnten mit Geld auch Sicherheit kaufen. Heute lernen wir, dass wir weder diese endlose Zeit noch genug Geld haben werden.“ (Interview mit Michel Friedmann in der SZ v. 28.08.2025)
- Diskussionskultur in Deutschland: „Dieses Land ist dabei, das Zuhören zu verlernen. Für Zwischentöne und Genauigkeiten, für die Nebensätze sozusagen, ist immer weniger Platz im politischen und gesellschaftlichen Diskurs. Dieses Land ist dabei, das Zuhören zu verlernen, das genaue Nachlesen, das unaufgeregte Nachdenken, die sachliche Auseinandersetzung, die durchaus kritisch, kontrovers und pointiert sein soll. Der Sturz Hillebrands ist ein Musterbeispiel für eine zum hysterischen Geplärre verkommene Empörungskultur bei X und Co., die jedes Maß verloren hat. Um den Jahreswechsel von Bild und anderen Boulevardmedien angestachelt, griffen die üblichen Reflexe der sozialen Netzwerke: Nicht informieren, nicht argumentieren, sondern draufhauen, sich auskotzen, Hauptsache abfällig und persönlich. Das verselbständigt sich schnell, und dann fühlen sich jene, die mitmachen, erst recht bestätigt. Als könnte Volkes Zorn Volkes Hirn ersetzen.“ (Uwe Ritzer in der SZ 03.02.2026)
- Gerechtigkeit: „Nicht für jedes Problem, nicht für jeden Konflikt gibt es eine gerechte Lösung. Das klassische Beispiel ist die todbringende Lore, die auf einer Schiene einen Abhang hinunter und auf eine Weiche zurast, die sie auf ein Gleis leitet, auf dem mehrere Arbeiter beschäftigt sind. Das Verstellen der Weiche würde sie auf ein anderes Gleis leiten, auf dem nur ein Arbeiter beschäftigt ist. Soll, wer an der Weiche steht, sie verstellen? …. Dass die Forderung nach Gerechtigkeit keine Aussicht auf Erfüllung hat, muss nicht davon abhalten, sie zu erheben. Wir bewundern die Frauen und Männer, die in diktatorischen und totalitären Regimen das Unrecht anklagen und angreifen, auch wenn sie es nicht abwenden können und wissen, dass sie es nicht können. Beides kann stimmen: der Zuruf, nicht gegen die Wirklichkeit an einer Gerechtigkeitsforderung festzuhalten, die scheitern muss, und der andere Zuruf, vor der Wirklichkeit die Forderung nach Gerechtigkeit nicht aufzugeben, nur weil sie scheitern muss. Wie mächtig ist die Wirklichkeit, wie dauerhaft verspricht sie, die nicht ewig dauern wird, zu sein, wie aussichtslos ist die Forderung? Die beiden Zurufe können sogar gleichzeitig stimmen, weil das Leben in der Wirklichkeit weitergehen, weil aber auch die Gerechtigkeit weiterleben soll.“ (Bernhard Schlink in der SZ 10.02.2026 → Presse und Medien).
- Kulturkampf: „Die populärste Antwort der konservativen und rechten Kulturkämpfer ist die, dass sie sich gerade eine Befreiungsgeschichte erzählen. Dass sie endlich die Normalität zurückerobern und sich wehren gegen die Meinungsübermacht derer, die ihnen vorschreiben wollen, wie sie sprechen, schreiben, leben sollen. „Woke Vorstellungen beanspruchen in vielen wichtigen Bereichen die Deutungshoheit über Richtig und Falsch: bei Migration und Integration, bei Geschlecht und Sexualität, bei Energie und Klima“ …. Kulturkämpfer immer die anderen. Richtig daran ist, dass man in abgelegenen Universitätsseminaren, in Berliner Lokalen und in den Netzwerken X und Bluesky äußerst unduldsamen Zeitgenossen begegnen kann, Leuten, die ihren linken Kulturkampf mit aller Härte führen wollen. Richtig ist aber auch, dass die Gesetze, von denen sich nicht nur Rödder gegängelt fühlt, die Gesetze zum Beispiel zur Abschaltung von Verbrennungsmotoren und Atomkraftwerken, von parlamentarischen Mehrheiten verabschiedet worden sind. …. Der rechte Kulturkampf, die rechte Erzählung, die rechte Antwort auf die Frage, wer wir sind und wer wir sein wollen, laufen folglich auf das genaue Gegenteil hinaus. Wir sind deutsch, wir sind weiß, wir sind seit jeher hier zu Hause. Und wir wollen weiterhin unter uns bleiben. Diese Antworten sind verständlich und populär … Sie ist aber falsch, was jeder Besuch in einer Arztpraxis oder einem Altersheim zeigt, wo ohne Zugewanderte nichts mehr ginge. Wenn die Deutschen unter sich bleiben wollen, können sie den Laden gleich dichtmachen. Die rechten Kulturkämpfer stehen auf verlorenem Posten – was vermutlich die beste Begründung ist für ihre Wut und Unversöhnlichkeit. … Und dafür, dass die AfD den Kulturkampf zu ihrer wichtigsten Strategie gemacht hat. Sie hat ja sonst nichts zu bieten. Die großen, wichtigen Fragen, das lehrt nicht nur das Nachdenken übers Lebensrecht und die Menschenwürde der Ungeborenen, sind viel zu kompliziert, als dass sich im Modus des Kulturkampfs brauchbare Antworten finden ließen. Man muss da zuhören, abwägen, man braucht Arbeitshypothesen und keine starken Meinungen. Man sollte die Kulturkämpfe also verweigern. Je länger sie dauern, desto dümmer werden alle Kämpfer davon.“ (Essay von Claudius Seidl SZ v. 05.09.2025)
- Rechtspopulismus: „Ein Erfolgsrezept des Rechtspopulismus ist es, demokratische Normen und Gesetze zu missachten – und dann das Opfer des Systems zu geben, wenn Staat, Justiz oder Medien auf diesen Normen bestehen. So funktioniert Trumps Maga-Welt, so funktioniert der Rassemblement National, so funktioniert die Propaganda der AfD. Umgekehrt sind Populisten und Demokratieverächter groß darin, wirkliche oder angebliche Verstöße von Demokraten zu unfassbaren Skandalen aufzublasen, um zu zeigen, wie verderbt und volksfern „die Eliten“ seien. …. Es ist eine Ungleichheit der Waffen, wenn die eine Seite streng nach Regeln kämpft und die andere auf diese Regeln pfeift. Das spricht nicht gegen die Regeln. Freie Rede, das Recht auf Kritik und eine wachsame Öffentlichkeit machen die Stärke der Demokratien aus. Aber es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit nicht auf dieses Spiel mit verschobenen Maßstäben hereinfällt.“ (Joachim Käppner in der SZ v. → Presse und Medien






Zum Abschluss des ExtremWetterKongresses stellen die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) einen Klimaaufruf vor. Die Fachgesellschaften kommen darin zu folgender Bewertung: „Die Beobachtungslage zeigt, dass sich die Klimaentwicklung erheblich beschleunigt hat – sowohl in der Atmosphäre wie auch den Ozeanen.“ DPG und DMG weisen deshalb darauf hin, dass eine globale Erwärmung um 3 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau bereits um 2050 nicht ausgeschlossen werden kann. Folglich könnte die zusätzliche Erwärmung in den nächsten 25 Jahren möglicherweise genauso stark ausfallen wie in den vergangenen 150 Jahren. Vor diesem Hintergrund mahnen die Fachgesellschaften erhebliche Versäumnisse beim Klimaschutz und gleichzeitig ein deutlich höheres Maß an Maßnahmen an. Trotz der sich beschleunigenden globalen Erwärmung haben die globale Gemeinschaft und auch Deutschland bislang nur unzureichend auf die damit verbundenen Gefahren reagiert, und der Bedrohungslage in Folge der Erhitzung werden bisher zu wenig präventive Maßnahmen entgegengesetzt.