Author Archives: trenczek

Presse und Medien (besonders lesenswert)

Neben den wissenschaftlichen Fachpublikationen empfehle ich zur Informationsbeschaffung nicht die vermeintlich „Sozialen“ (es sind nur) digitale Medien, sondern ausschließlich die fachlich geprüften Portale von Fach- und Wissenschaftsverbänden (hierzu siehe → hier) und im Übrigen die Lektüre von Qualitätsmedien des seriös arbeitenden Journalismus, wie z.B.

Die nachfolgenden (regelmäßig aktualisierten) Links (in chronologischer Reihenfolge) verweisen auf einige im Jahr 2026 [Stand 17.02.2026] besonders interessante Beiträge und Diskussionen zu Gesellschaft, Politik und Recht sowie weitere Themenfelder  (zu den Beiträgen in → 2025  und → 2024). Herausragende Erkenntnisse, Wissen, Perspektiven und andere Gedankensplitter aus diesen Publikationen finden Sie → hier:

Politik & Gesellschaft

  • EU-Souveränität und USA: „Wo ist unsere Würde? Wo ist unser Selbstbewusstsein?“ Trump und die Tech-Konzerne wollen die Demokratie abschaffen, warnt die Stanford-Forscherin und frühere niederländische EU-Abgeordnete Marietje Schaake und fordert, dass europäische Politiker mehr Widerstand leisten. Interview in SZ 17.02.2026: „Wir leben in unglaublich dunklen Zeiten, und ich mache mir große Sorgen. Ich finde es enttäuschend, dass wir von unseren Politikern in Europa nicht mehr Widerstand erleben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich für den Weg der sehr, sehr, sehr soften Diplomatie entschieden. Aber das funktioniert nicht mit Tyrannen. Wo ist unsere Würde? Wo ist unser Selbstbewusstsein? …  Wir brauchen mehr Führungsstärke. Für mich sind die Ukrainer eine Inspiration. Sie haben es geschafft, mitten im Krieg eine Spitzen-Drohnenindustrie aufzubauen. Wenn die Ukrainer so etwas Außergewöhnliches schaffen, können wir Europäer das auch. „
  • Gesellschaftliche Handlungsoptionen im Hinblick auf den Klimawandel: Wir rasen auf ein ökologisches Desaster zu, die Klimakrise sei aber noch aufzuhalten, wenn wir als Gesellschaft die weitverbreitete (gesellschaftliche wie individuelle) Agrasia (Handeln wider besseres Wissens) überwinden und zeitnah entschieden handeln. Es seien weniger die bedenklichen Einstellungen der Menschen, die zu einem umweltschädlichen Verhalten führen, vielmehr orientierten diese sich nach ihren Handlungsmöglichkeiten. Kreierten die Gesellschaft bzw. die verantwortliche Politik und Entscheidungsträger  hinreichend zugängliche, klimafreundliche Handlungsoptionen, so wären die Bürger:innen durchaus in ihrer großen Mehrzahl bereit, diese zu nutzen. Insoweit sei wichtig zu wissen, dass die Wirkungsmöglichkeiten individuellen Verhaltens gerade im Hinblick auf den Klimaschutz – anders als die „Idee“ des von der Mineralöl-Industrie erfundenen persönlichen CO2-Abdrucks suggeriert  – wenig wirksam seien, jedenfalls sei es empirisch nachweisbar, dass strukturelle Veränderungen im Hinblick auf den Klimaschutz deutlich effektiver sind als individuelle Handlungsoptionen der Bürger:innen. Allerdings seien die bisherigen Anreize zu einer veränderten Energiegewinnung und Marktmechanismen (wie der CO2-Preis) gescheitert, formuliert der Soziologe Sighard Neckel, weshalb er in seinem Buch „Katastrophenzeit“ – Die Gesellschaft im Klimawandel und die Fallstricke der Transformation“ neue Ansätze aufzeigen wolle. So sei eine Dezentralisierung der Energiegewinnung unbedingt notwendig, wobei auch deren Vergesellschaftung in Betracht gezogen werden sollte. Interview mit Sighard Neckel in Deutschlandfunk Kultur v. 14.02.2026.
  • Rote Linien ziehen. Mit wem man in der Demokratie zusammenarbeiten wollen darf. Maximilian Steinbeis im Verfassungsblog v.13.02.2026: „Ein Kriterium lässt sich gewinnen, wenn man Demokratie als Verfahren begreift: als Prozeduralisierung von Interessen- und Meinungskonflikten, um unter Vielfältigen zu kollektiv verbindlichen Entscheidungen kommen zu können. Dazu gehören rechtsförmige Verfahren, Regierungs-, Verwaltungs-, Gesetzgebungs- und Gerichtsverfahren, aber auch der öffentliche Diskurs, die Meinungsbildung in der Gesellschaft. An seinem Anfang muss offen sein, wie es am Ende ausgeht. Deswegen Verfahren. … Die rote Linie verläuft dort, wo sich ein Teilnehmer am Verfahren in seiner Teilnahme am Verfahren zur Funktion des Verfahrens in Widerspruch setzt. Wer seine Teilnahme am Verfahren dazu missbraucht, das Verfahren ad absurdum zu führen und den funktionalen Zweck des Verfahrens zu durchkreuzen, disqualifiziert sich dadurch für die Teilnahme am Verfahren.“
  • Gerechtigkeit – Kann es im Nahen Osten Gerechtigkeit geben? Israelis und Palästinenser haben einander viel angetan. Aber aus der Erfahrung zugefügten Leids folgt noch kein Weg zu einem gerechten Frieden. Ein Essay von Bernhard Schlink in der SZ 10.02.2026: → Zitate und Auszüge.
  • Verbraucherboykott. Wie kann man die Superbonzen, die die Demokratie an Donald Trump verkaufen, in ihrer Schmerzzone treffen? Indem man woanders kauft, ihnen also ans „Diridari“ (in der bairischen Mundart „Zahlungsmittel“ jeglicher Art) geht. Kolumne von Hans Well in der SZ 06.02.2026: Mit dem Boykott rechter Milliardäre würden wir unsre Demokratie verteidigen. Während Reiche weltweit immer reicher werden, nimmt Armut zu. Superbonzen sind auch Super-CO₂-Emittenten. Bekanntlich wollen Musk und Co. sich, wenn das Klima kollabiert, Richtung Mars absetzen. Auf geht’s! Bitte Höcke und Nius-Chef Reichelt mitnehmen! Bis dahin boykottiere ich die Bagage. Wie blöd Bezos, Zuckerberg, Musk, Thiel, Döpfner und ihr King Kong wohl schauen werden, wenn wir Europäer uns wehren, statt unsere Werte vernichten zu lassen.
  • Die in den USA ausgetragenen WM-Spiele müssen boykottiert werden (nicht die Partien in Kanada oder Mexiko). Dies wäre eine Sprache, die Donald Trump versteht: Sein ganzes Leben lang hat er Leute so lange schikaniert, bis er auf nachhaltigen Widerstand stieß. Ein Appell aus Minneapolis. Gastkommentar von Eric Schwartz in der SZ
  • Diskussionskultur in Deutschland. Uwe Ritzer in der SZ 03.02.2026 → Zitate und Auszüge
  • Yes, It’s Fascism. Until recently, I thought it a term best avoided. But now, the resemblances are too many and too strong to deny. An Essay by Jonathan Rauch, First published in The Atlantic on January 25, 2026 (abrufbar über SZ v. 29.01.2026): „In which case, is there any point in calling Trump a fascist, even if true? Doesn’t that alienate his voters? Wouldn’t it be better just to describe his actions without labeling him controversially? Until recently, I thought so. No longer. The resemblances are too many and too strong to deny. Americans who support liberal democracy need to recognize what we’re dealing with in order to cope with it, and to recognize something, one must name it. Trump has revealed himself, and we must name what we see.“
  • Antisemitismus – Eure Gleichgültigkeit ist unser Tod. Antisemitismus lebt nicht nur von Hass, sondern immer auch von Wegsehen, von Schweigen und dem Wunsch, sich nicht positionieren zu müssen. Gastbeitrag von Martin Moszkowicz in der SZ v. 26.01.2026 → Zitate und Auszüge
  • Engagement und Haltung. Was tun angesichts der Weltlage? Wer schweigt, ist Täter. Nils Minkmar in der SZ v. 25.01.2026 Zitate und Auszüge
  • Aus Amerika wird keine Rettung mehr kommen. Von dort kommt die Gefahr. Wir müssen uns endlich gegen die USA wehren können. Jetzt.“ Grönland-Sturm befriedet, Nato gerettet, alles wieder okay? Von wegen. Donald Trump will die Zerschlagung der EU. Der Freund ist jetzt Feind. Europa muss es ab sofort alleine schaffen. Bloß wie? Hubert Wetzel in der SZ v. 23. 01.2026: „Amerika ist vom Freund zum Gegner geworden. Trump und seine Leute zeigen nicht nur Desinteresse gegenüber Europa, sondern offene Feindschaft. Das könne Europa nicht begreifen, weder emotional noch konzeptionell. Der Albtraum sei früher immer das Wegdriften der USA in den Isolationismus gewesen – dass die Amerikaner sich abwenden und Europa im Stich lassen. „Aber es ist viel schlimmer“, sagt Luuk van Middelaar (der 52 Jahre alte Niederländer ist Historiker und Philosoph, er hat bei der EU gearbeitet, lehrt an verschiedenen Universitäten und leitet zudem das Brussels Institute for Geopolitics), „Sie fallen über uns her.“ Middelaars Blick in die Zukunft schließlich ist noch beängstigender. Grönland, Strafzölle, Social-Media-Gesetze, all die aktuellen politischen Streitthemen zwischen Amerika und Europa kommen darin gar nicht vor. Stattdessen zeichnet Middelaar auf ein Notizblatt eine Linie, entlang der er Jahreszahlen markiert. „Trump will uns nicht nur von hier nach dort bringen“, sagt er und malt einen Pfeil von 2026 nach 1945, zurück in die Zeit also, als Amerika noch keine Verantwortung für Europa übernommen hatte. „Sondern Trump will dorthin“, erklärt Middelaar, während er von 2026 aus einen zweiten Pfeil zeichnet, der irgendwo hinter der Marke 1900 endet. „Trump will zurück zur Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts“, allerdings gepaart mit dem aggressiven, digital aufgeputschten Kulturkampf des 21. Jahrhunderts. … Für Europa ist das wie der Blick in einen tiefen, schwarzen Abgrund. Die Einigung Europas war eine Reaktion auf zwei Weltkriege, fast schon eine Verzweiflungstat nach all dem Töten und Sterben. Krieg zwischen den Europäern sollte unmöglich gemacht werden – indem man erst einmal gemeinsam Stahl kochte und Kohle förderte, danach dann Tausende Verflechtungen und Abhängigkeiten schuf, kleine und große, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche. Vor allem aber, indem man das mächtigste Triebmittel für die europäischen Kriege zu neutralisieren versuchte, den Nationalismus.  … „Le nationalisme, c’est la guerre“, hat der frühere französische Präsident François Mitterrand einmal gesagt: Nationalismus bedeutet Krieg. Mitterrand wusste, wovon er sprach. ….  Doch es gibt schon Leute, auch in Brüssel, auch in sehr wichtigen Ämtern, die sich keinerlei Illusionen mehr darüber machen, was Trump für die EU bedeutet und wie ernst es ist. Sie akzeptieren die Realität und sagen: Uns stehen nicht mehr nur Russland und China als Feinde gegenüber. Jetzt wollen auch die USA die Europäische Union zerstören. Amerika ist nicht mehr unser Freund, diese US-Regierung teilt nicht mehr unsere Werte und Interessen. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir uns gegen Amerika wehren können. Es ist Zeit, dass alle das einsehen. Jetzt. Aus Amerika wird keine Rettung mehr kommen. Von dort kommt die Gefahr.“
  • Europa – Herzlichen Dank für die Grönland-Show, Mister President! Josef Kelnberger in der SZ v. 23.01.2026: So viel Interesse an der Europäischen Union gab es in Deutschland schon lange nicht mehr. Das ist eine Chance, dass sich endlich einiges zum Besseren wendet. … Mag man den US-Präsidenten auch für einen irrlichternden Narzissten halten, so verfolgt er mit seinem Beraterteam doch eine klare Strategie: Er will die EU spalten und als Bund freiheitlicher Staaten zerstören. Darin unterscheidet er sich kaum vom Russen Wladimir Putin und vom Chinesen Xi Jinping. Nach dem Grönland-Schock wird nun erfreulicherweise allseits debattiert, was die EU „tun muss“, um überleben zu können. Die Wahrheit aber ist: Man weiß das längst. Die Europäische Union sollte eine gemeinsame Rüstungsindustrie und eine gemeinsame Armee aufbauen, um sich selbst verteidigen zu können. Ihre Wirtschaft braucht wieder Schwung und Schutz vor zerstörerischer Konkurrenz. Dazu fehlt eine gemeinsame Energiepolitik, Unabhängigkeit von den amerikanischen Tech-Giganten, neue Handelspartner. Es handelt sich um epochale Herausforderungen, alle sind bekannt. Sie wurden bloß lange Zeit nicht angepackt. Und das liegt nicht unbedingt an Dummheit oder bösem Willen. Die EU besteht aus 27 Staaten. Ihre Regierungen vertreten legitimerweise zuvorderst die Interessen ihres jeweiligen Landes. Eine Politik, die sich am gemeinsamen europäischen Interesse orientiert, ist nirgendwo sonderlich populär. Das zeigte sich während dieser Grönland-Woche exemplarisch im Europaparlament, ausgerechnet an jenem Ort also, wo man eigentlich den europäischen Gemeinsinn in Reinform vermuten würde. Das Signal, das von dieser Abstimmung ausging, war verheerend: Europa, alleingelassen von den USA, bekämpft von Russland und China, sucht zwar neue Freunde in der Welt – aber nicht wirklich dringend. Erst einmal ist jedes Land sich selbst das nächste.
  • Proteste gegen die Islamische Republik. Verschleiern all die Tränen, die wir vergießen, unseren Blick? Nava Ebrahimi in der SZ v. 22.01.2026: „Dieses Video löste nicht die gewohnte Instagram-Traurigkeit in mir aus, sondern eine tiefer liegende. Weil Iranerinnen und Iraner offenbar jeglichen Glauben an die EU und ihre Werte verloren haben. Aber noch mehr, weil sie derart verzweifelt sind, dass manche in jemandem wie dem US-Präsidenten, einem offenen Rassisten, ihre letzte Rettung sehen. Die allermeisten wissen, schätze ich, dass er sich nicht wirklich um ihr Wohlergehen sorgt, dass Menschen für ihn nur Verfügungsmasse sind, und dass er das mit den iranischen Machthabern teilt. Aber die, die sich dennoch an ihn wenden, verlangen nicht mehr viel – nur, nicht zu sterben wie die Fliegen.
  • Die Macht der Ultrareichen ist eine Gefahr für die Demokratie. Deshalb muss sie beschränkt werden. Kommentar von Lea Hampel in der SZ v. 19.01.2026
  • Entscheidet euch ! In diesem Wahljahr steht für Deutschland viel auf dem Spiel. Der Journalist Hermann Vinke, der seit Jahrzehnten in Sachbüchern für junge Leute die NS-Vergangenheit erklärt, ruft jetzt in in einer mitreißenden Streitschrift auf: „Entscheidet Euch!“ (Rezension in SZ v. 19.01.2026): „Vereinfacht gesagt, geht es darum“, schreibt er, „ob unsere freiheitliche Ordnung, die auf Regeln, Gesetzen und dem Grundgesetz beruht, in Zukunft noch Bestand haben wird.“ Die „stille Mitte“ der AfD-Wähler, die keine Rechtsextremisten sind, wäre zurückzugewinnen. Wenn nur in einem Bundesland die AfD so viele Stimmen bekommt, dass die in Teilen rechtsextreme Partei die Regierung stellen kann, „gerät unser Land auf eine schiefe Ebene.“ Was das heißt, führt Vinke in aller Deutlichkeit aus: Wer die AfD wählt, wählt die Demokratie ab. Der setzt Vielfalt, Erinnerungskultur, politische Bildung, Meinungsfreiheit, den Sozialstaat, die Freiheit aufs Spiel. Aber wir müssen nicht tatenlos zusehen. Was menschengemacht ist, können Menschen ändern.
  • Kinder- ( und Jugend -)Hirne im Dauerstress (SZ v. 19.01.2026) Das Gebrüll der Populisten und jener, die es werden wollen, macht junge Menschen krank, legt eine Studie nahe. Wem das egal ist: Die Zukunftsfähigkeit des Landes dürfte es auch weiter schwächen.
  • Gesellschaftliche Polarisierung: „Adorno hätten Sie problemlos als ‚Querdenker‘ ansprechen können“ Der Philosoph Ralf Konersmann findet, unserer Gesellschaft ist ein guter Umgang mit Außenseitern abhandengekommen. Er wünscht sich mehr echte Vielfalt und Verrücktheit (SZ v. 04.01.2026): „Es ist durchaus bedenklich, dass das Auseinanderdriften von Wissenschaft und Öffentlichkeit ein Feld eröffnet, auf dem sich Problematisches und Unseriöses breitmacht. Dennoch kann, wie ich meine, die Tatsache, dass das Internet dem Irrsinn großzügig Raum bietet, kein Argument gegen die Freiheit des Geistes sein. Und hier sehe ich die Funktion des Außenseiters – dessen also, der seinen eigenen Kopf gebraucht, seiner Erfahrung traut und den Mut zum ungenormten Urteil findet.
  • Zukunft gibt es nur mit Sicherheit. Gastbeitrag von Wilhelm Schmid in der SZ v. 11.01.2026: Wenn der Kampf gegen einen Aggressor den Alltag dominiert, kann man sich schwer für Umweltschutz und Gerechtigkeit einsetzen. Die Zeit ist reif, unser Verständnis von Nachhaltigkeit zu erweitern.

Öffentliches Recht – Verfassungsrecht – Völkerrecht

  • Völkerrecht in der Krise – und als Krise. Vom Zerfall des Rechts und dem Kampf um Transformation. Balakrishnan Rajagopal auf Verfassungblog v. 23.01.2026
  • Recht bleibt auch dann Recht, wenn ein Mächtiger sich nicht darum schert. Heribert Prantl in der SZ v. 08.01.2026: In den Stadien echter oder vermeintlicher Ohnmacht brauchen internationale Normen und das Völkerrecht Kräfte, die daran festhalten, die sie weiterentwickeln und ihnen beim Überwintern helfen.

Strafrecht & Kriminologie

  • Straffällige“, sich abweichend verhaltende Kinder brauchen Hilfe, keinen ProzessDie Union diskutiert die Idee, zwölf- und dreizehnjährige Straftäter vor Gericht zu stellen, die Schwelle zur Strafmündigkeit abzusenken. Sinnvoller wäre es, eine ganz andere Institution zu stärken. SZ v. 12.01.2026 (hierzu siehe → „Vernunft in der Kriminalpolitik“ )

Sozial- und Erziehungswissenschaft – Soziale Arbeit – Kinder- und Jugendhilfe – Kinder- und Jugendschutz

  • „Wir haben mehr Depressionen, mehr Ängste, mehr Traurigkeit, mehr Hoffnungs­losig­keit“. Martin Holtmann, Leiter der LWL-Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamm, sieht eine Gesundheitskrise bei jungen Menschen. (SZ v. 19.01.2026)
  • Jugendliche und soziale Medien: Gefühlte Glaubwürdigkeit. Eine neue Studie untersucht die Geschlechterbilder und Werte von Jugendlichen. Die Ergebnisse unterstützen alle, die den Zugang von Kindern zu sozialen Medien beschränken wollen. SZ v. 17.02.2026

Datenschutz, IT, KI und Digitale Medien

  • (Der Hype um die) KI-Agenten sind gefährlichHelmut Martin-Jung in der SZ v. 17.02.2026: Die digitalen Assistenten sollen Menschen das Leben leichter machen. Aber sie verbrauchen Unmengen an Energie, sind ein Sicherheitsrisiko – und eine Bedrohung für die menschliche Intelligenz. … KI-Agenten können höchst gefährlich sein. … [insb. wenn man ] ihnen weitgehenden oder sogar vollen Zugriff [gewährt]. Dann ist die Gefahr groß, dass es zu schweren Schäden kommt. Was etwa, wenn der Agent die Kreditkartendaten auf einer Fake-Seite eingibt? Wenn durch einen Konfigurationsfehler andere Zugriff haben und Falschnachrichten verbreiten – die Liste ließe sich beliebig erweitern. …  … Man muss nur genau wissen, worauf man sich dabei einlässt, und ihnen klare Grenzen setzen. Menschen nehmen ihre Umwelt nicht wie eine Maschine wahr, sondern interpretieren sie anhand ihrer Erfahrung. Wenn „etwas“ Texte verfasst wie ein Mensch, schreiben wir diesem Etwas menschliche Eigenschaften zu. Die hat KI aber nicht. Die großen Sprachmodelle wie Chat-GPT sind große Statistik-Maschinen, die lediglich nachahmen, was sie dank einer unfassbar großen Menge an Trainingsdaten an Mustern erkannt haben. Gemäß diesen Mustern können sie – erstaunlich gut mittlerweile – etwa Texte zusammenfassen. Aber sie machen Fehler. Das haftet ihnen an wie eine Erbsünde. Bei logischen Schlüssen geraten sie zudem schnell an ihre Grenzen.
  • KI – die Geister, die wir riefen Helmut Martin-Jung in der SZ v. 03.02.2026: Künstliche Intelligenz ergreift mehr und mehr Besitz von unserem Leben. Sie bringt aber nicht nur viele Chancen mit sich, sondern auch erhebliche Risiken. Der AI Safety Report versucht eine Gesamtschau. (… und hier geht es zum → International AI Safety Report)
  • KI-Sprachmodelle können nur ,Bullshit‘ produzieren“. Seit mehr als 40 Jahren kämpft Richard Stallman für freie Software und gegen Programme, die ihre Nutzer kontrollieren. Er spricht über Spionage durch Apps, seine Abneigung gegen Cloud-Dienste und darüber, warum er sich nicht als einsamer Rufer in der Wüste sieht. Interview in der SZ v. 21.01.2026

Energie-, Klima-, Natur- und Umweltpolitik und Wissenschaft

  • IPBES-Bericht: Biodiversität als wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Verlust an Biodiversität ist eine der größten Bedrohungen für Wirtschaft und Gesellschaft. SZ v. 9.2.2026 und Deutschlandfunk Kultur v. 6.2.2026: Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) fordert in seinem neuesten Bericht Business and Biodiversity“ einen grundlegenden Wandel der globalen Wirtschaft. Falsche Anreize und schädliche Subventionen führten in die Katastrophe. „Was profitabel für Unternehmen ist, führt oft zum Verlust von Biodiversität. Und was gut für Biodiversität und Gesellschaft ist, ist oft nicht profitabel,“ Der Rat weist mit mehr als 100 Vorschlägen einen Weg aus dieser Misere. „Es ist das erst Mal, dass jemand all die Zusammenhänge zwischen Biodiversität und der Wirtschaft durchleuchtet hat“, sagte Matt Jones aus Großbritannien, einer der drei Co-Vorsitzenden des Berichts, während der Präsentation am Montag in Manchester. Unternehmen und andere Akteure könnten „entweder den Weg zu einer nachhaltigeren Weltwirtschaft weisen oder letztendlich das Aussterben riskieren – sowohl von Arten in der Natur als auch möglicherweise ihr eigenes“. Zudem liefere der Bericht Methoden, wie verschiedene Unternehmen, vom globalen Konzern bis zum einzelnen Händler auf einem regionalen Markt, etwas verändern können. Denn, der „Verlust an Biodiversität ist eine der größten Bedrohungen für Wirtschaft und Gesellschaft.“
  • Stromerzeugung 2025 – Photovoltaik überholt erstmals Braunkohle: 2025 war ein Jahr der erneuerbaren Energien. Wie sich die Versorgung verändert hat und aus welchen Ländern Deutschland Strom importiert: ein Überblick mit Grafiken. SZ v. 05.01.2026

Streiflicht-Glossen der Süddeutschen Zeitung

  • Meinungsfreiheit (Streiflicht in der SZ v. 27.01.2026): Es dürfte schwer sein, im deutschsprachigen Raum eine Talkshow zu finden, in der Kubicki noch nicht mindestens drei Mal aufgetreten ist, um zu warnen, dass die Meinungsfreiheit in diesem Land in Gefahr sei. Der Umstand, dass niemals Gesinnungspolizisten in Balaklava-Masken kamen, ihn ergriffen und von der Bühne zerrten, ließ ihn an der eigenen Theorie nicht irrewerden. Kubicki sprach … als Mahner wider staatliche Zensur, auch wenn es diese nie gab. Am liebsten aber spricht [er] über den linken Mainstream, der in seinen Augen die Freiheit offenbar mehr bedroht als Trump, Musk, Putin und die AfD zusammen. Er selbst jedenfalls sieht als Beleg doktrinärer linker Meinungsmacht, dass „Linke und Grüne die AfD als Dauerfeind ausgemacht“ hätten…. Man könnte nun einwenden, dass die AfD aus Sicht der Demokratie schon selber konsequent dafür sorgt, als deren Feind wahrgenommen zu werden. … Der Kulturkampf fordert Freiheit mit dem Ziel, Freiheit zu beseitigen. Und er wird von beiden Seiten, von links wie rechts, mit einem Höchstmaß an Narretei ausgefochten, seine Hauptwaffe ist hier wie dort das Geschwätz. Doch die Meinungsfreiheit in all ihrer erfreulichen Schönheit bleibt darüber erhaben: Sie erlaubt jedermann und auch …, jederzeit auf jedem Forum jede beliebige Menge an Geschwätz zu äußern – und erlaubt es genauso, gar nicht mehr hinzuhören.

 

Haftungsausschluss – Disclaimer

Diese Website enthält Verknüpfungen zu Websites Dritter („externe Links“). Diese Websites unterliegen der Haftung der jeweiligen Betreiber. Der Anbieter hat bei der erstmaligen Verknüpfung der externen Links die fremden Inhalte daraufhin überprüft, ob etwaige Rechtsverstöße bestehen. Zu dem Zeitpunkt waren keine Rechtsverstöße ersichtlich. Der Anbieter hat keinerlei Einfluss auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung und auf die Inhalte der verknüpften Seiten. Das Setzen von externen Links bedeutet nicht, dass sich der Anbieter die hinter dem Verweis oder Link liegenden Inhalte zu Eigen macht. Eine ständige Kontrolle dieser externen Links ist für den Anbieter ohne konkrete Hinweise auf Rechtsverstöße nicht zumutbar. Bei Kenntnis von Rechtsverstößen werden jedoch derartige externe Links unverzüglich gelöscht.

Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 – „Haftung für Links“ hat das Landgericht (LG) Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links, die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann – so das LG – nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Seite. Diese Erklärung gilt für alle auf unserer Homepage angebrachten Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Gedankensplitter: Erkenntnisse, Wissen und Perspektiven der anderen

In Ergänzung zu der Sammlung von bemerkenswerten Beiträgen aus Fachpublikationen und Qualitätsmedien (→ 2026)(→ 2025)(→ 2024) werden einige dieser Publikationen hier auf dieser Seite ausschnittsweise bzw. hervorragende in ihnen formulierte Gedanken(splitter), Erkenntnisse, Wissensteile und Perspektiven (ggf. gekürzt) wiedergegeben, weil diese so beeindruckend klar formuliert sind, dass mensch es kaum besser ausdrücken könnte:

  • Antisemitismus: „Antisemitismus lebt nicht nur von Hass, sondern immer auch von Wegsehen, von Schweigen und dem Wunsch, sich nicht positionieren zu müssen. …Der gefährlichste Verbündete des Hasses ist nicht der Radikale, sondern der Gleichgültige. Gerade deshalb richtet sich Erinnerung nicht nur gegen Extremismus. Sie richtet sich an die Mitte der Gesellschaft. Sie fordert Haltung ein – nicht Empörung, sondern Verantwortungsbewusstsein. Nicht Worte, sondern Taten. Antisemitismus lebt vom Hass der Wenigen – und vom Schweigen der Vielen.“ (Martin Moszkowicz in der SZ v. 26.01.2026; → Presse und Medien)
  • Bürgerschaftliches Engagement und Haltung: „Was tun angesichts der Weltlage? Hilfe für die Ukraine, die mutigen Menschen in Iran? Geht uns alle an. Denn auch, wenn sich angesichts des Siegeszugs der Despoten derzeit viele machtlos fühlen: Europa hat viele Trümpfe in der Hand – konsequenter Konsumentenprotest etwa wirkt. …  Man muss sich das Schweigen der Täter nicht zu eigen machen, in einer offenen Gesellschaft darf man auch sagen, was noch nicht ist. Demokratie bedeutet nicht zu warten, bis die Meinungsforscher anrufen und fragen, was man am kommenden Sonntag tun würde, wenn Wahl ist. Die immensen Vorteile, die man als Bürger der Europäischen Union genießt, verpflichten auch zu einem bürgerlichen Engagement und dazu, schon mal darüber nachzudenken, wie man im Lichte eigener moralischer Werte sein Leben ändern kann.“ (Wer schweigt, ist Täter. Nils Minkmar in der SZ v. 25.01.2026; Presse und Medien)
  • Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Gefahr: Die sog. sozialen Medien „sind ein brutales Instrument des Kapitalismus. Algorithmen machen aus allem, was wir inhaltlich beschreiben können, eine kommerziell zugespitze Ware. Sie verkaufen uns, denn sie haben nichts dagegen, dass Mächte wie Russland, aber auch China, mit ihnen unsere Demokratien angreifen. Tiktok ist eine Plattform, die primär Propaganda und Lügen verbreitet. Sie lässt ihre Konsumenten manipulieren und verdummen.“ … „Dass wir Verantwortung tragen, jeder von uns, das haben wir verdrängt. Wir haben 20 bis 30 Jahre in einer Art Schlaraffenland gelebt, jedenfalls 80 Prozent der Bevölkerung. Und haben gedacht, es werde immer so weitergehen. Wir haben gedacht, wir könnten mit Geld auch Sicherheit kaufen. Heute lernen wir, dass wir weder diese endlose Zeit noch genug Geld haben werden.“ (Interview mit Michel Friedmann in der SZ v. 28.08.2025)
  • Diskussionskultur in Deutschland: „Dieses Land ist dabei, das Zuhören zu verlernen. Für Zwischentöne und Genauigkeiten, für die Nebensätze sozusagen, ist immer weniger Platz im politischen und gesellschaftlichen Diskurs. Dieses Land ist dabei, das Zuhören zu verlernen, das genaue Nachlesen, das unaufgeregte Nachdenken, die sachliche Auseinandersetzung, die durchaus kritisch, kontrovers und pointiert sein soll. Der Sturz Hillebrands ist ein Musterbeispiel für eine zum hysterischen Geplärre verkommene Empörungskultur bei X und Co., die jedes Maß verloren hat. Um den Jahreswechsel von Bild und anderen Boulevardmedien angestachelt, griffen die üblichen Reflexe der sozialen Netzwerke: Nicht informieren, nicht argumentieren, sondern draufhauen, sich auskotzen, Hauptsache abfällig und persönlich. Das verselbständigt sich schnell, und dann fühlen sich jene, die mitmachen, erst recht bestätigt. Als könnte Volkes Zorn Volkes Hirn ersetzen.“ (Uwe Ritzer in der SZ 03.02.2026)
  • Gerechtigkeit: „Nicht für jedes Problem, nicht für jeden Konflikt gibt es eine gerechte Lösung. Das klassische Beispiel ist die todbringende Lore, die auf einer Schiene einen Abhang hinunter und auf eine Weiche zurast, die sie auf ein Gleis leitet, auf dem mehrere Arbeiter beschäftigt sind. Das Verstellen der Weiche würde sie auf ein anderes Gleis leiten, auf dem nur ein Arbeiter beschäftigt ist. Soll, wer an der Weiche steht, sie verstellen? …. Dass die Forderung nach Gerechtigkeit keine Aussicht auf Erfüllung hat, muss nicht davon abhalten, sie zu erheben. Wir bewundern die Frauen und Männer, die in diktatorischen und totalitären Regimen das Unrecht anklagen und angreifen, auch wenn sie es nicht abwenden können und wissen, dass sie es nicht können. Beides kann stimmen: der Zuruf, nicht gegen die Wirklichkeit an einer Gerechtigkeitsforderung festzuhalten, die scheitern muss, und der andere Zuruf, vor der Wirklichkeit die Forderung nach Gerechtigkeit nicht aufzugeben, nur weil sie scheitern muss. Wie mächtig ist die Wirklichkeit, wie dauerhaft verspricht sie, die nicht ewig dauern wird, zu sein, wie aussichtslos ist die Forderung? Die beiden Zurufe können sogar gleichzeitig stimmen, weil das Leben in der Wirklichkeit weitergehen, weil aber auch die Gerechtigkeit weiterleben soll.“ (Bernhard Schlink in der SZ 10.02.2026 Presse und Medien).
  • Kulturkampf: Die populärste Antwort der konservativen und rechten Kulturkämpfer ist die, dass sie sich gerade eine Befreiungsgeschichte erzählen. Dass sie endlich die Normalität zurückerobern und sich wehren gegen die Meinungsübermacht derer, die ihnen vorschreiben wollen, wie sie sprechen, schreiben, leben sollen. „Woke Vorstellungen beanspruchen in vielen wichtigen Bereichen die Deutungshoheit über Richtig und Falsch: bei Migration und Integration, bei Geschlecht und Sexualität, bei Energie und Klima“ …. Kulturkämpfer immer die anderen.  Richtig daran ist, dass man in abgelegenen Universitätsseminaren, in Berliner Lokalen und in den Netzwerken X und Bluesky äußerst unduldsamen Zeitgenossen begegnen kann, Leuten, die ihren linken Kulturkampf mit aller Härte führen wollen. Richtig ist aber auch, dass die Gesetze, von denen sich nicht nur Rödder gegängelt fühlt, die Gesetze zum Beispiel zur Abschaltung von Verbrennungsmotoren und Atomkraftwerken, von parlamentarischen Mehrheiten verabschiedet worden sind. …. Der rechte Kulturkampf, die rechte Erzählung, die rechte Antwort auf die Frage, wer wir sind und wer wir sein wollen, laufen folglich auf das genaue Gegenteil hinaus. Wir sind deutsch, wir sind weiß, wir sind seit jeher hier zu Hause. Und wir wollen weiterhin unter uns bleiben. Diese Antworten sind verständlich und populär … Sie ist aber falsch, was jeder Besuch in einer Arztpraxis oder einem Altersheim zeigt, wo ohne Zugewanderte nichts mehr ginge. Wenn die Deutschen unter sich bleiben wollen, können sie den Laden gleich dichtmachen. Die rechten Kulturkämpfer stehen auf verlorenem Posten – was vermutlich die beste Begründung ist für ihre Wut und Unversöhnlichkeit. … Und dafür, dass die AfD den Kulturkampf zu ihrer wichtigsten Strategie gemacht hat. Sie hat ja sonst nichts zu bieten. Die großen, wichtigen Fragen, das lehrt nicht nur das Nachdenken übers Lebensrecht und die Menschenwürde der Ungeborenen, sind viel zu kompliziert, als dass sich im Modus des Kulturkampfs brauchbare Antworten finden ließen. Man muss da zuhören, abwägen, man braucht Arbeitshypothesen und keine starken Meinungen. Man sollte die Kulturkämpfe also verweigern. Je länger sie dauern, desto dümmer werden alle Kämpfer davon.“ (Essay von Claudius Seidl SZ v. 05.09.2025)
  • Rechtspopulismus: „Ein Erfolgsrezept des Rechtspopulismus ist es, demokratische Normen und Gesetze zu missachten – und dann das Opfer des Systems zu geben, wenn Staat, Justiz oder Medien auf diesen Normen bestehen. So funktioniert Trumps Maga-Welt, so funktioniert der Rassemblement National, so funktioniert die Propaganda der AfD. Umgekehrt sind Populisten und Demokratieverächter groß darin, wirkliche oder angebliche Verstöße von Demokraten zu unfassbaren Skandalen aufzublasen, um zu zeigen, wie verderbt und volksfern „die Eliten“ seien. …. Es ist eine Ungleichheit der Waffen, wenn die eine Seite streng nach Regeln kämpft und die andere auf diese Regeln pfeift. Das spricht nicht gegen die Regeln. Freie Rede, das Recht auf Kritik und eine wachsame Öffentlichkeit machen die Stärke der Demokratien aus. Aber es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit nicht auf dieses Spiel mit verschobenen Maßstäben hereinfällt.“ (Joachim Käppner in der SZ v. Presse und Medien

Die Abstimmung zum Mercosur-Vertrag im Europäischen Parlament war ein Fehler – Für eine Stärkung der regelbasierten Weltordnung!

Wie steht die Partei Bündnis 90/Die Grünen nach dem heftigen Mercosur-Streit zu Wirtschaftsverträgen? Der Bundesvorstand der Grünen/Bündnis 90 will auf seiner Klausur kommenden Montag mit neuen Leitlinien alle Zweifel ausräumen. Dieser Kurs sollte in der und durch die grüne Basis unterstützt werden!

Die Abstimmung zum Mercosur-Vertrag im Europäischen Parlament war inhaltlich wie auch angesichts der geopolitischen Weltlage ein schwerer Fehler. Das Europäische Parlament hat am 21.01.2026 das EU-Mercosur Abkommen zur rechtlichen Prüfung an den europäischen Gerichtshof überwiesen – und damit auch in der Partei viele Diskussionen ausgelöst. Franzika Brenner hat in diesem Punkt vollkommen recht: „Die Abstimmung [zu Mercosur] im Europäischen Parlament war ein Fehler“, sagt sie der Süddeutschen Zeitung. „Ist das Abkommen perfekt? Nein. Aber es ist gut. Ich bin stolz darauf, dass der Klimaschutz darin nach langen Verhandlungen so gut verankert ist – besser als in jedem anderen Abkommen. Wenn man aus nationaler Sicht etwas Perfektes will, wird es nationalistisch. Wer multilaterale Abkommen will, muss auch Kompromisse akzeptieren.“

Auch Fraktionschefin Britta Haßelmann übt Kritik. „Die Welt ist unsicherer geworden. Daher brauchen wir gute, verlässliche Partner und regelbasierte Kooperation. In dieser geopolitischen Lage ist es wichtig und notwendig, das Mercosur-Abkommen abzuschließen“, sagt Haßelmann der SZ. „Angesichts dieser Bedeutung war die Abstimmung gestern ein schlechtes Signal. Umso wichtiger ist es, dass das Abkommen jetzt sehr schnell zur vorläufigen Anwendung kommt.“

Angesichts der geopolitischen Lage, der Bedrohung durch China, Russland und die USA muss und kann Europa die regelbasierte Ordnung stützen, Demokratie und Rechtstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit eine Zukunft geben. „Wir brauchen neue wirtschaftliche Partnerschaften, um unseren Außenhandel zu diversifizieren“, heißt es in der Vorlage zur Vorstandsklausur. Deswegen sei es nicht nur wichtig, „das Abkommen mit den Mercosur-Staaten in die vorläufige Anwendung zu bringen und dann zu ratifizieren“. Verstanden werden darf der Beschluss angesichts der gefährlichen internationalen Lage auch als Appell der Parteispitze für eine klare Realpolitik der Grünen. „Russland, China und die US-Regierung sind inzwischen skrupellos bereit, das Völkerrecht zu brechen und Machtmittel rücksichtslos einzusetzen“, heißt es darin. Lieferketten würden fragiler, Rohstoffe und Schlüsseltechnologien strategisch instrumentalisiert. Deutschlands bisheriges Erfolgsmodell bekomme Risse. „Ohne eine entsprechende Wirtschaftskraft werden wir uns das Leben, wie wir es kennen, in Zukunft nicht mehr leisten können“, heißt es. Eine starke Wirtschaft sei auch „Grundlage für das Vertrauen der Menschen in den Staat und seine demokratischen Institutionen“.

Dieser Kurs sollte in der und durch die grüne Basis unterstützt werden!
Europa braucht nicht nur international-wirtschaftliche Partnerschaften, sondern stärkt mit diesen Abkommen gleichzeitig die internationale regelbasierte Welt-Ordnung.

Ergänzung 26.01.2026: Wer das noch nicht verstanden hat, sollte die Einschätzung des niederländischen Historiker und Philosophen Luuk van Middelaar (Brussels Institute for Geopolitics) nachvollziehen. Die Einigung Europas war eine Reaktion auf zwei Weltkriege. Nationalismus bedeutet Krieg („Le nationalisme, c’est la guerre“,  François Mitterrand), hierzu →  Presse und Medien – Auswahl interessanter Beiträge 2026, insb.:

 

Quellen:

Grüne Info: Einordnungen zur gestrigen Mercosur-Abstimmung – 03/26 v. 22.01.2026

https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-parlament-verzoegerung-mercosur-abkommen-folgen-deutschland-gruene-li.3373320

https://www.sueddeutsche.de/politik/gruene-mercosur-abkommen-deutschland-li.3373987

Greetings from Down under – Beobachtungen, Erlebnisse und Reflexionen in Australien

(mit einigen praktischen Reiseinfos- und -tipps am Ende , die Sie woanders so nicht finden können)

Die bereits an einen festen Kreis von befreundeten Leser:innen als Signal-Posts versandten Reiseberichte (vgl. die entsprechenden screenshots) unseres Aufenthalts in Australien (Okt-Dez 2025) werden hier auf der Internetseite aufgrund der privaten Inhalte z.T. nur auszugsweise wiedergegeben (zu den beruflichen Aspekten s. → hier und → SIMK). Zudem werden im Folgenden nur einige wenige der vielen Fotos eingestellt (allein von der grünen Flora und den Küstenabschnitten gibt es mehr als 100 festgehaltene Augenblicke; insg. reichen die Aufnahmen für eine abendfüllende Lichtbildshow). Interessenten erhalten auf Nachfrage (bitte via Email mit vollständiger Kontakt-Adresse) die Reiseberichte ggf. via Email zugesandt.

Reisebericht 1:

Nach 19 Std Flug mit einem längeren Stopover in Singapur (vermindert auch den Jetlag) kamen wir vor drei Tagen abends in Brisbane an. Bei 38 Grad haben wir vorgestern einen kleinen Roadtrip im Pkw durch die Qld-australische Frühlingslandschaft (die Jacarandas blühen noch) und den nahen Nationalpark im Brisbane Forrest gemacht und abends zusammen mit früheren Uni- und Mediationskolleg:innen diniert (lecker Thai). Die Auswahl an ethnisch und kulturell variationsreicher Kost ist auch ein Pluspunkt für 🇦🇺. Auch der Kaffee hier ist seinen Namen wert (s. Foto). Nur mit der Abfallvermeidung und mit dem CO2-Vermeidung haben die es hier nicht so ….🥴 Gestern hat es nur geregnet bei angenehmen 20 Grad. Deshalb haben wir nur unsere früheren Wohnungen/Häuser bzw frühere Nachbarschaft an- sowie an meiner alten Wirkungsstätte, der UQ vorbeigeschaut (man beachte, dort sind die juristische und die sozialwissenschaftliche Fakultät in einem Gebäude, wenn auch rechts und links von Haupteingang getrennt). Ein Foto stammt von 2001, welches ? 😅.

(Ergänzung Reisebericht 1) Beiliegend überwiegend landschaftliche Eindrücke (vom Alltag und dem leckeren Essen 😋 haben wir keine Fotos gemacht) von den ersten 🇦🇺 Wochen in Qld (Brisbane und naheliegende Nationalparks, ua Lamington, Springbrook, Kondalilla Falls, Glashouse Mountains sowie Sunshine Coast).
Morgen geht es weiter nach Melbourne.
Beste Grüße 👋 aus down under 🌏

Continue reading

Presse und Medien – Auswahl interessanter Beiträge 2025

Neben den wissenschaftlichen Fachpublikationen empfehle ich zur Informationsbeschaffung nicht die vermeintlich „Sozialen“ (es sind nur) digitale Medien, sondern ausschließlich die fachlich geprüften Portale von Fach- und Wissenschaftsverbänden (hierzu siehe → hier) und im Übrigen die Lektüre von Qualitätsmedien des seriös arbeitenden Journalismus, wie z.B.

Die nachfolgenden (regelmäßig aktualisierten) Links (in chronologischer Reihenfolge) verweisen auf einige im Jahr 2025 besonders interessante Beiträge und Diskussionen zu Gesellschaft, Politik und Recht sowie weitere Themenfelder (zu den Beiträgen in → 2026  und → 2024):

Politik & Gesellschaft

  • Trump, AFD und die Springer-Medien – Gerfahr für die Demokratie: Vorsicht, wenn Trump, die AfD und Springer von „Meinungsfreiheit“ reden (Detlef Esslinger in der SZ vom 28.12.2025): „Autoritäre Herrscher wie Trump schätzen Freiheiten nur so lange, wie sie ihnen selbst nutzen. Meinungsfreiheit ist ein Begriff, der nicht als Wert gemeint ist, sondern ihre Absicht vernebeln soll: „ein autoritäres Willkürregime, in dem an die Stelle des Rechts die Macht tritt“. So hat es der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, am Wochenende im Tagesspiegel formuliert. Anders gesagt: Zensurandrohungen und Zensurvorwürfe passen gut zueinander. Seit die Regierung Trump im Amt ist, geht sie gegen Andersdenkende vor. Darin liegt die Konsistenz. Ihre größten Verbündeten in Deutschland sind die AfD und der Springer-Verlag. Die AfD stand der Maga-Bewegung schon immer nahe. Dass Springer inzwischen drauf und dran ist, der liberalen Demokratie von der Fahne zu gehen, ist eine Tragödie. Bis in die 1980er gab er mit der Welt eine Zeitung heraus, die dem damaligen Stahlhelm-Teil der Gesellschaft eine warme Stube im Haus der Demokratie bot. Heute singen deren Herausgeber, Chefredakteur, alte und neu geholte Autoren, ein „Chefkommentator“ oder eine „Chefreporterin Meinungsfreiheit“ im Blatt, auf der Website, auf X und auf Facebook den Feinden der Demokratie vor.“
  • Voßkuhle sieht die Demokratie in Gefahr (Tagesschau vom 27.12.2025): Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Voßkuhle, sieht die deutsche Demokratie bedroht. Überall auf der Welt kämen totalitäre Systeme auf, sagte er dem Tagesspiegel. Deutschland sei da kein „gallisches Dorf“. „Es ist möglich, dass die Deutschen ihre eigene Demokratie abwählen“ – diese düstere Prognose stellt der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, auf. Dem Tagesspiegel sagte er, fast überall auf der Welt vollziehe sich ein Rechtsruck, und totalitäre Systeme bildeten sich. … Der Jurist warnte vor Koalitionen mit der AfD. Jede demokratische Partei muss sich fragen, ob sie mit einer Partei kooperieren will, die die Demokratie abschaffen will – ob sie „mit dem Teufel ins Bett geht“. Die AfD wolle den „Parlamentarismus westlicher Prägung abschaffen“ und bedrohe die Meinungsfreiheit, so Voßkuhle. Sie sehe andere Parteien nicht als demokratische Wettbewerber, sondern als „korrupte Eliten und Volksverräter“. Intern gebe es keine offenen Debatten: „Der AfD fehlt die DNA der pluralistischen Demokratie.“ Dass viele AfD-Wähler auf eine Stärkung gemäßigter Kräfte hoffen, halte er für illusionär. …Um die Diskurskultur im Internet zu rationalisieren, schlägt Voßkuhle eine Klarnamenpflicht vor. Diese könnte öffentliche Diskussionen entgiften und wäre seiner Ansicht nach verfassungsrechtlich zulässig. Die Verrohung im Netz halte die Gesellschaft auf Dauer nicht aus.
  • Techoligarchen in Europa – Milliardäre im Machtrausch darf man nicht belohnen (Jannis Brühl in der SZ v. 19.12.2025): Von Drohnen bis Plattformen: Techoligarchen wie Thiel, Karp und Musk mischen zunehmend auch in der EU mit. Wer, wenn nicht Europa, soll ihnen die Stirn bieten? … Digitalgesetze sind nötig und müssen verbessert werden. Dem Gerede von der digitalen Souveränität Europas müssen Taten folgen. Dafür ist es nötig, die Digitalgesetze zu verteidigen und noch zu verbessern. Die aggressive Reaktion aus dem Silicon Valley zeigt, dass sie ihren Zweck erfüllen und den Herrschern des Internets wehtun. … Bei allen eigenen Fehlern darf die EU nicht nachgeben. Denn die Auftritte von Karp und Musk sind letztendlich Bullying, also Mobbing, auf der Weltbühne. Und bullies dürfen nicht belohnt werden. Das ist Europa nicht nur sich selbst schuldig, sondern auch dem Rest der Welt. Wer sonst soll der Clique um Musk und Thiel die Stirn bieten?
  • Antisemitismus – Ich, Antisemit? Ich sorge mich nur ums Klima! Eva Illouz in der SZ v. 19.12.2025:  Der moderne Judenhass ist nicht religiös, sondern politisch. Greta Thunbergs Guru – der Öko-Sozialist Andreas Malm – etwa meint zu wissen, dass es die Erderwärmung auch wegen der Zionisten gibt. Die immerwährende Botschaft auf der ganzen Welt: Schuld seid ihr! Indem sich gegen Israel und den Zionismus richten, verändern sie den Gehalt des Antisemitismus. Sie verwandeln ihn von einer rassistischen in eine politische Beleidigung. Daher können sie den Hass bequem leugnen, den sie beinhalten.Dieser Antizionismus ist aus vier Gründen eine neue Form des Antisemitismus: Erstens verweigert in keinem anderen Fall eine politische Ideologie einem Volk mit solcher Beharrlichkeit und Besessenheit sein Recht auf einen souveränen Staat (die Russen lehnen den ukrainischen Staat ab, was aber weltweit kaum Resonanz findet). Das Ziel des Antisemitismus ist es, den Juden ihre Heimat zu nehmen. Das galt auch für den französischen oder deutschen Antisemitismus. Der Antizionismus tut dasselbe, nur geht es diesmal um die nationale Heimat der Juden.
  • Ich vermisse fast schon die guten, alten Antisemiten“, Nils Minkmar in der SZ v. 9.12.2025: „Wer an sozialem Fortschritt und den Rechten von Minderheiten interessiert ist, muss sich gegen Antisemitismus engagieren, denn die Angriffe gegen Juden waren immer schon Vorboten umfassenderer Repressionen wenn nicht Mordabsichten gegen welche Minderheit auch immer.“
  • Der Weg in den Abgrund. Trump und die AFD. Ein Essay von Hilmar Klute (Süddeutsche Zeitung v. 07.11.2025): Was in den USA geschieht, ist auch eine Blaupause für Deutschland. Deshalb sollte man sich nicht an Trump abarbeiten, sondern lieber schauen, was im eigenen Land gerade kaputtgeht. … Anstatt zuzugeben, dass die Erde sich um die Sonne dreht, lassen Politiker, aber auch Soziologen und Wahlforscher lieber den Satz hören: Die Menschen sind halt mit vielem, was die derzeitige Politik anzubieten hat, unzufrieden. Man müsse sie ernst nehmen. Das stimmt sogar, aber man sollte sie anders ernst nehmen, nämlich als Gefahr für alle, die weiterhin in einem demokratischen Rechtsstaat leben wollen. Wer eine Partei wie die AfD wählt, verabschiedet sich wissentlich und willentlich vom Konsens der Demokraten, dass die Grundordnung dieses Landes nicht antastbar ist. Er nimmt sich das Recht, einer Partei die Stimme zu geben, die das gesamte System kippen möchte.  … und trotzdem muss sich der CDU-Mann, muss sich die SPD-Frau nach jedem desaströsen Wahlabend pflichtschuldig den Schweiß von der Stirn wischen und beschwören, die Wähler der AfD seien nicht alle rechtsradikal. Aber was sollen sie sonst sein, wenn sie eine rechtsradikale Partei wählen? Wenn sie bei aller berechtigten Kritik an der jeweiligen Bundesregierung nicht anerkennen wollen, dass das Land, in dem sie ihre unfrischen Ansichten verbreiten dürfen, die beste Verfassung, das beste Rechtswesen und immer noch den effektivsten Sozialstaat beheimatet.

Continue reading

Mediation und RJ in Australien und Europa

Zum 5. Mal nach 2001/02, 2006, 2011/12 und 2017 war ich von Okt – Dez. 2025 für längere Zeit down under
und habe meine Kontakte und mein Wissen über ADR und Mediation in Australien aufgefrischt und über die Entwicklung der Mediation
und von Restorative Justice in Deutschland berichten dürfen.
Vielen Dank für die Organisation und den fachlichen Austausch insb. an

Dr. Peter Johnstone und die (ehem.) Kolleg:innen aus der Dispute Resolution Branch in Brisbane, Queensland,

an Prof. Dr. Jeff Giddings, School of Law/Law Clinic, Monash University, Melbourne sowie

Dr. Serge Loode, Director of Peace and Conflict Studies Australia – PaCSIA
und Peacemaking Officer im Neighbourhood Justice Centre (NJC) in the City of Yarra/Victoria (einer der ältesten Stadtteile der Metropole
 Melbourne) und seinen Kolleg:innen am NJC.


Vielen Dank auch an die Teilnehmer:innen meines Restorative Justice Seminars für die vielen, kundigen Fragen und große Diskussionsbereitschaft.

 

 

 

 

 

 

Prof. Trenczek ist das 4. Quartal 2025 zu einem Forschungsaufenthalt in Australien. Anfragen werden deshalb nicht in der gewohnten Schnelligkeit beantwortet.

Buchempfehlungen

Nachfolgend liste ich einige der zuletzt gelesenen und aus meiner Sicht sehr zu empfehlenden Bücher:

  • Daniel GlattauerIn einem Zug“, DuMont Köln 2025: … mein Jahrgang, mein Humor 🤣, meine Leseempfehlung Roman des Jahres 2025:
    Klappentext: Eduard Brünhofer, ehemals gefeierter Autor von Liebesromanen, sitzt im Zug von Wien nach München. Nicht unbedingt in der Absicht, sich mit der Frau frühen mittleren Alters im Abteil zu unterhalten. Schon gar nicht in der Absicht, mit ihr über seine Bücher zu sinnieren. Erst recht nicht in der Absicht, über seine Ehejahre mit Gina zu reflektieren. Aber Therapeutin Catrin Meyr, die Langzeitbeziehungen absurd findet, ist unerbittlich. Sie will mit ihm über die Liebe reden. Dabei gerät der Schriftsteller gehörig in Zugzwang.  »Was befähigt einen Autor, über die Liebe zu schreiben?«, fragt sie.  »Ihre Frage ist klüger als jede Antwort darauf«, erwidere ich.  »Danke. Probieren Sie es trotzdem.«
  • Barbara BleischIn der Mitte des Lebens“ (2024): Was für eine scharfsinnige Beobachterin und Analystin. Was für eine phantastische Erklärerin, was für eine Sprachkunst. Ein kluges, wissenschaftliches (auch die Quellenangaben und die Anmerkungen in den Fußnoten sind überaus lesenswert) gleichzeitig sehr verständliches wie verständnisvolles Buch (keine plumpe Ratgeberliteratur), welches das Potential der mittleren Lebensspanne (definiert als Altersspanne zwischen 35 und 65 Jahren 😅) und der Zeit darüber hinaus differenziert wie tiefgehend in einer praktischen „Philosophie der besten Jahre“ aufzeigt. Das ist meine Leseempfehlung des Jahres in der Kategorie Sachbuch, wobei es weit mehr als das ist. Da steckt so viel drin an Fragen, Fakten und Wissen, an Reflexion und Einsicht, dass man das Buch gerne drei oder vier Mal lesen will, weshalb ich es mir gleich nach der Rückkehr in einer analogen Printausgabe zulegen (so praktisch der online Reader auf Reisen ist, es fehlt mir die Möglichkeit, im Buch arbeiten, mit Bleistift unterstreichen und Anmerkungen machen zu können) und auch gern (auch an jüngere Jahrgänge) verschenken werde. Allein die aus meiner Sicht prägnantesten Zitate füllten viele Seiten, die dieser Reisebericht nicht hergibt.
  • Michel FriedmannMensch! Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten“ Berlin Verlag 2024.
    Klappentext: »Verzweifelt, weil ich sehe, wie ein großer Teil der Menschen aus der Geschichte nicht lernt. Verzweifelt, weil die Demokratie, die mir das Leben ermöglicht hat, zerbröselt.« Demokratie ist nie statisch, sondern dynamisch. Sie lebt durch die Menschen, die ununterbrochen an ihr arbeiten. Wer wüsste das besser als Michel Friedman. Er ruft dazu auf, endlich zu handeln – für Freiheit und Menschenrechte. Ein Weckruf, die Demokratie nicht nur zu verteidigen, sondern aktiv zu gestalten. Mit klaren Analysen entlarvt er die Gefahren von Resignation, mediengetriebener Sensationslust und unerfüllten Versprechen. Dieses Buch fordert heraus, irritiert und inspiriert zugleich. Es ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die Demokratie. Ein drängender Appell, für Würde, Rechte, Vielfalt und Freiheit zu kämpfen, bevor es zu spät ist. Wer jetzt nicht eingreift, macht sich zum Komplizen. In einer Zeit, in der Demokratie und Menschenrechte täglich von Extremisten und Autokraten angegriffen und Demokratien bereits in Teilen von »illiberalen Demokraten« übernommen und zunehmend autoritär und totalitär geführt werden, ruft Michel Friedman dazu auf, nicht nur mutig zu diskutieren, sondern zu handeln. Von einer der wichtigsten Stimmen des Landes. »Es ist doch die Vielfalt, die es uns ermöglicht hat, über das Denken nachzudenken. Unsere eigene Widersprüchlichkeit nicht mehr als Bedrohung, sondern als Ansporn zu verstehen. Sie hat uns Wissen, Wissenschaft gebracht. Sie hat uns gezeigt, dass Suchen und Weitersuchen die Kraft des Fortschritts sind und dass Wissen nicht ewig gilt. Sondern durch ewiges Weiterfragen zum nächsten Wissen führt. Denn Wahrheit ist ein unglaubliches Versprechen, das man hinterfragen muss.«
  • Andrea Wulf  „Fabelhafte Rebellen Die frühen Romantiker und die Erfindung des Ich“, München 2024
    Klappentext: Um 1800 galt die Idee vom freien Individuum als brandgefährlich. Und doch wagte es eine Gruppe von Denkern in der Universitätsstadt Jena, das Ich in den Mittelpunkt ihres Denkens, Schreibens und Lebens zu stellen. Zu diesen fabelhaften Rebellen gehörten die Dichter Goethe, Schiller und Novalis, die Philosophen Fichte, Schelling und Hegel, die genialen Schlegel-Brüder und Alexander von Humboldt sowie ihre Muse, die freigeistige Caroline Schlegel. Während die Französische Revolution die politische Landschaft Europas veränderte, entfachten diese jungen Romantiker in Jena eine Revolution des Geistes. Bestsellerautorin Andrea Wulf erzählt fesselnd, wie sich ihr Leben zwischen wortreichen Auseinandersetzungen, aufsehenerregenden Skandalen, leidenschaftlichen Liebesaffären und vor allem radikalen Ideen bewegte, und erklärt, warum auch wir bis heute zwischen den Gefahren der starken Ichbezogenheit und den aufregenden Möglichkeiten des freien Willens schwanken. »›Fabelhafte Rebellen‹« ist eine Möglichkeit, die deutsche Geistesgeschichte zum Tanzen zu bringen, sie für sich persönlich zu entdecken und unglaublich viel für das eigene Leben zu lernen.« Denis Scheck >
  • Andrea Wulf „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur; München 2018
    Klappentext: Er war seiner Zeit weit voraus: Alexander von Humboldt, Universalgelehrter, unermüdlicher Naturforscher, der »zweite Kolumbus« und »Wiederentdecker Amerikas«. Wie kein anderer Wissenschaftler prägte er unser Verständnis von der Natur als lebendigem Ganzen, als Kosmos, in dem alles miteinander verbunden ist und dessen untrennbarer Teil wir sind. In ihrer vielfach ausgezeichneten Biografie führt Andrea Wulf durch das abenteuerliche Leben Humboldts und sein Werk. Er begreift die Natur in ihrer ganzen Fülle als Lebensnetz und prägt damit auch unser Wissen um die Verwundbarkeit der Erde. So bleibt er unverändert wichtig – bis heute.
  • Richard Dawkins „Die Poesie der Naturwissenschaften“: Autobiographie; Ullstein, Berlin 2016
    Klappentext: Richard Dawkins erzählt die Geschichte seines Lebens – von der Kindheit im kolonialen Afrika über sein Studium in Oxford bis zur Karriere als einer der einflussreichsten Wissenschaftler weltweit. Er berichtet von seiner Ankunft im Flower-Power-Kalifornien der 60er Jahre, von der Party zum 42. Geburtstag seines Freundes Douglas Adams, den freundschaftlichen Streitgesprächen mit dem Erzbischof von Canterbury, von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Evolutionsbiologie und seiner großen Liebe zur Lyrik. Richard Dawkins ist nicht nur ein herausragender Naturwissenschaftler, er ist auch ein begnadeter Erzähler. Anhand seines weitverzweigten Familienstammbaums erklärt er die Vererbungslehre, und die Entwicklung der Theorie des egoistischen Gens wird bei ihm zum Wissenschaftsthriller. Wenn er beschreibt, wie er vom Gläubigen zum Atheisten wurde, versteht man, welche Rolle Religion für den Menschen spielt.

Drei-Grad-Grenze könnte schon um 2050 erreicht werden – Klimaschutz und Klimaanpassung müssen verstärkt werden!

Klimaforschende sehen für Deutschland eine Zunahme des Risikos extremer Wetterereignisse und die Notwendigkeit, Maßnahmen in der Klimaanpassung schnell zu verstärken.

Klimaforschende wenden sich an die deutsche Politik: Drei-Grad-Grenze könnte schon um 2050 erreicht werden; Klimaanpassung beschleunigen.Zum Abschluss des ExtremWetterKongresses stellen die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) einen Klimaaufruf vor. Die Fachgesellschaften kommen darin zu folgender Bewertung: „Die Beobachtungslage zeigt, dass sich die Klimaentwicklung erheblich beschleunigt hat – sowohl in der Atmosphäre wie auch den Ozeanen.“ DPG und DMG weisen deshalb darauf hin, dass eine globale Erwärmung um 3 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau bereits um 2050 nicht ausgeschlossen werden kann. Folglich könnte die zusätzliche Erwärmung in den nächsten 25 Jahren möglicherweise genauso stark ausfallen wie in den vergangenen 150 Jahren. Vor diesem Hintergrund mahnen die Fachgesellschaften erhebliche Versäumnisse beim Klimaschutz und gleichzeitig ein deutlich höheres Maß an Maßnahmen an. Trotz der sich beschleunigenden globalen Erwärmung haben die globale Gemeinschaft und auch Deutschland bislang nur unzureichend auf die damit verbundenen Gefahren reagiert, und der Bedrohungslage in Folge der Erhitzung werden bisher zu wenig präventive Maßnahmen entgegengesetzt.

Daher wenden sich DPG und DMG mit vorliegendem Aufruf gemeinsam an die Politik. Die Fachgesellschaften fordern dazu auf, unverzüglich ein sehr viel wirksameres Programm zur Eindämmung von menschengemachten Klimaänderungen voranzutreiben und die hierfür notwendigen Maßnahmen nicht weiter in die Zukunft zu verschieben. Aus Sicht der Gesellschaften ist es dringend notwendig, Klimaschutz und Klimaanpassung gleichzeitig zu betreiben, da ein Teil der weiteren globalen Erwärmung auch bei intensivsten Schutzmaßnahmen nicht mehr zu verhindern ist und andererseits die Möglichkeiten der Anpassung begrenzt sind. Die Forschenden weisen darauf hin, dass es, physikalisch betrachtet, kein „Restbudget“ an Kohlenstoffdioxid (CO2) mehr gibt.

Prof. Dr. Klaus Richter, Präsident der DPG: „In der Vergangenheit wurden mögliche Wege in eine klimaneutrale Wirtschaft in zahlreichen Studien dargelegt. Basierend auf diesen Erkenntnissen besteht nach wie vor die Möglichkeit, den weiteren Temperaturanstieg zu begrenzen und Maßnahmen zum Schutz unserer Gesellschaft zu ergreifen.“

…. weiter → hier   Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V. und des ExtremWetterKongresses anlässlich eines Aufrufs der DPG und Deutschen Meteorologischen Gesellschaft e.V. vom 25.09.2025

 

Ergänzung durch die S4F-RG Regensburg  (vgl. Veranstaltung am 14.01.2026)

Folgen der Erderwärmung

  • Mehr Trockenzeiten mit Waldbränden UND mehr Starkregen mit Überschwemmungen
  • Schlechte Ernten und gefährdete Trinkwasserversorgung
  • Mehr Klima-Flüchtlinge
  • Mit jedem Zehntelgrad wird die Lage kritischer
  • Kipppunkte können nicht rückgängig gemacht werden, ihre Effekte sind dauerhaft

Was können wir tun?

  • Keine fossilen Brennstoffe nutzen (Kohle, Gas, Öl)
  • Regenerativen Strom produzieren und beziehen (Wind, Sonne, Geothermie)
  • ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß gehen, elektrisch fahren, fliegen vermeiden
  • Mit Strom und Umweltwärme heizen (Wärmepumpe)
  • Wenig Fleisch essen, regionale Anteil der Sektoren an den Produkte bevorzugen