Neben den wissenschaftlichen Fachpublikationen empfehle ich zur Informationsbeschaffung nicht die vermeintlich „Sozialen“ (es sind nur) digitale Medien, sondern ausschließlich die fachlich geprüften Portale von Fach- und Wissenschaftsverbänden (hierzu siehe → hier) und im Übrigen die Lektüre von Qualitätsmedien des seriös arbeitenden Journalismus, wie z.B.
- Süddeutsche Zeitung (insb. die empfehlenswerte Beiträge über Rechtsthemen der Autoren Wolfgang Janisch, Heribert Prantl, Ronen Steinke)
- Tagesschau
- New York Times
Die nachfolgenden (regelmäßig aktualisierten) Links verweisen auf einige im Jahr 2026 besonders interessante Beiträge und Diskussionen zu Gesellschaft, Politik und Recht sowie weitere Themenfelder (zu den Beiträgen in → 2025 und → 2024):
Politik & Gesellschaft
- Antisemitismus – Eure Gleichgültigkeit ist unser Tod. Antisemitismus lebt nicht nur von Hass, sondern immer auch von Wegsehen, von Schweigen und dem Wunsch, sich nicht positionieren zu müssen. Gastbeitrag von Martin Moszkowicz in der SZ v. 26.01.2026: „Der gefährlichste Verbündete des Hasses ist nicht der Radikale, sondern der Gleichgültige. Gerade deshalb richtet sich Erinnerung nicht nur gegen Extremismus. Sie richtet sich an die Mitte der Gesellschaft. Sie fordert Haltung ein – nicht Empörung, sondern Verantwortungsbewusstsein. Nicht Worte, sondern Taten. Antisemitismus lebt vom Hass der Wenigen – und vom Schweigen der Vielen.“
- Was tun angesichts der Weltlage? Wer schweigt, ist Täter. Nils Minkmar in der SZ v. 25.01.2026: Hilfe für die Ukraine, die mutigen Menschen in Iran? Geht uns alle an. Denn auch, wenn sich angesichts des Siegeszugs der Despoten derzeit viele machtlos fühlen: Europa hat viele Trümpfe in der Hand – konsequenter Konsumentenprotest etwa wirkt. … Man muss sich das Schweigen der Täter nicht zu eigen machen, in einer offenen Gesellschaft darf man auch sagen, was noch nicht ist. Demokratie bedeutet nicht zu warten, bis die Meinungsforscher anrufen und fragen, was man am kommenden Sonntag tun würde, wenn Wahl ist. Die immensen Vorteile, die man als Bürger der Europäischen Union genießt, verpflichten auch zu einem bürgerlichen Engagement und dazu, schon mal darüber nachzudenken, wie man im Lichte eigener moralischer Werte sein Leben ändern kann.
- „Aus Amerika wird keine Rettung mehr kommen. Von dort kommt die Gefahr. Wir müssen uns endlich gegen die USA wehren können. Jetzt.“ Grönland-Sturm befriedet, Nato gerettet, alles wieder okay? Von wegen. Donald Trump will die Zerschlagung der EU. Der Freund ist jetzt Feind. Europa muss es ab sofort alleine schaffen. Bloß wie? Hubert Wetzel in der SZ v. 23. 01.2026: Amerika ist vom Freund zum Gegner geworden. Trump und seine Leute zeigen nicht nur Desinteresse gegenüber Europa, sondern offene Feindschaft. Das könne Europa nicht begreifen, weder emotional noch konzeptionell. Der Albtraum sei früher immer das Wegdriften der USA in den Isolationismus gewesen – dass die Amerikaner sich abwenden und Europa im Stich lassen. „Aber es ist viel schlimmer“, sagt Luuk van Middelaar (der 52 Jahre alte Niederländer ist Historiker und Philosoph, er hat bei der EU gearbeitet, lehrt an verschiedenen Universitäten und leitet zudem das Brussels Institute for Geopolitics), „Sie fallen über uns her.“ Middelaars Blick in die Zukunft schließlich ist noch beängstigender. Grönland, Strafzölle, Social-Media-Gesetze, all die aktuellen politischen Streitthemen zwischen Amerika und Europa kommen darin gar nicht vor. Stattdessen zeichnet Middelaar auf ein Notizblatt eine Linie, entlang der er Jahreszahlen markiert. „Trump will uns nicht nur von hier nach dort bringen“, sagt er und malt einen Pfeil von 2026 nach 1945, zurück in die Zeit also, als Amerika noch keine Verantwortung für Europa übernommen hatte. „Sondern Trump will dorthin“, erklärt Middelaar, während er von 2026 aus einen zweiten Pfeil zeichnet, der irgendwo hinter der Marke 1900 endet. „Trump will zurück zur Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts“, allerdings gepaart mit dem aggressiven, digital aufgeputschten Kulturkampf des 21. Jahrhunderts. … Für Europa ist das wie der Blick in einen tiefen, schwarzen Abgrund. Die Einigung Europas war eine Reaktion auf zwei Weltkriege, fast schon eine Verzweiflungstat nach all dem Töten und Sterben. Krieg zwischen den Europäern sollte unmöglich gemacht werden – indem man erst einmal gemeinsam Stahl kochte und Kohle förderte, danach dann Tausende Verflechtungen und Abhängigkeiten schuf, kleine und große, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche. Vor allem aber, indem man das mächtigste Triebmittel für die europäischen Kriege zu neutralisieren versuchte, den Nationalismus. … „Le nationalisme, c’est la guerre“, hat der frühere französische Präsident François Mitterrand einmal gesagt: Nationalismus bedeutet Krieg. Mitterrand wusste, wovon er sprach. …. Doch es gibt schon Leute, auch in Brüssel, auch in sehr wichtigen Ämtern, die sich keinerlei Illusionen mehr darüber machen, was Trump für die EU bedeutet und wie ernst es ist. Sie akzeptieren die Realität und sagen: Uns stehen nicht mehr nur Russland und China als Feinde gegenüber. Jetzt wollen auch die USA die Europäische Union zerstören. Amerika ist nicht mehr unser Freund, diese US-Regierung teilt nicht mehr unsere Werte und Interessen. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir uns gegen Amerika wehren können. Es ist Zeit, dass alle das einsehen. Jetzt. Aus Amerika wird keine Rettung mehr kommen. Von dort kommt die Gefahr.
- Europa – Herzlichen Dank für die Grönland-Show, Mister President! Josef Kelnberger in der SZ v. 23.01.2026: So viel Interesse an der Europäischen Union gab es in Deutschland schon lange nicht mehr. Das ist eine Chance, dass sich endlich einiges zum Besseren wendet. … Mag man den US-Präsidenten auch für einen irrlichternden Narzissten halten, so verfolgt er mit seinem Beraterteam doch eine klare Strategie: Er will die EU spalten und als Bund freiheitlicher Staaten zerstören. Darin unterscheidet er sich kaum vom Russen Wladimir Putin und vom Chinesen Xi Jinping. Nach dem Grönland-Schock wird nun erfreulicherweise allseits debattiert, was die EU „tun muss“, um überleben zu können. Die Wahrheit aber ist: Man weiß das längst. Die Europäische Union sollte eine gemeinsame Rüstungsindustrie und eine gemeinsame Armee aufbauen, um sich selbst verteidigen zu können. Ihre Wirtschaft braucht wieder Schwung und Schutz vor zerstörerischer Konkurrenz. Dazu fehlt eine gemeinsame Energiepolitik, Unabhängigkeit von den amerikanischen Tech-Giganten, neue Handelspartner. Es handelt sich um epochale Herausforderungen, alle sind bekannt. Sie wurden bloß lange Zeit nicht angepackt. Und das liegt nicht unbedingt an Dummheit oder bösem Willen. Die EU besteht aus 27 Staaten. Ihre Regierungen vertreten legitimerweise zuvorderst die Interessen ihres jeweiligen Landes. Eine Politik, die sich am gemeinsamen europäischen Interesse orientiert, ist nirgendwo sonderlich populär. Das zeigte sich während dieser Grönland-Woche exemplarisch im Europaparlament, ausgerechnet an jenem Ort also, wo man eigentlich den europäischen Gemeinsinn in Reinform vermuten würde. Das Signal, das von dieser Abstimmung ausging, war verheerend: Europa, alleingelassen von den USA, bekämpft von Russland und China, sucht zwar neue Freunde in der Welt – aber nicht wirklich dringend. Erst einmal ist jedes Land sich selbst das nächste.
- Proteste gegen die Islamische Republik. Verschleiern all die Tränen, die wir vergießen, unseren Blick? Nava Ebrahimi in der SZ v. 22.01.2026: „Dieses Video löste nicht die gewohnte Instagram-Traurigkeit in mir aus, sondern eine tiefer liegende. Weil Iranerinnen und Iraner offenbar jeglichen Glauben an die EU und ihre Werte verloren haben. Aber noch mehr, weil sie derart verzweifelt sind, dass manche in jemandem wie dem US-Präsidenten, einem offenen Rassisten, ihre letzte Rettung sehen. Die allermeisten wissen, schätze ich, dass er sich nicht wirklich um ihr Wohlergehen sorgt, dass Menschen für ihn nur Verfügungsmasse sind, und dass er das mit den iranischen Machthabern teilt. Aber die, die sich dennoch an ihn wenden, verlangen nicht mehr viel – nur, nicht zu sterben wie die Fliegen.
- Die Macht der Ultrareichen ist eine Gefahr für die Demokratie. Deshalb muss sie beschränkt werden. Kommentar von Lea Hampel in der SZ v. 19.01.2026
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Entscheidet euch ! In diesem Wahljahr steht für Deutschland viel auf dem Spiel. Der Journalist Hermann Vinke, der seit Jahrzehnten in Sachbüchern für junge Leute die NS-Vergangenheit erklärt, ruft jetzt in in einer mitreißenden Streitschrift auf: „Entscheidet Euch!“ (Rezension in SZ v. 19.01.2026): „Vereinfacht gesagt, geht es darum“, schreibt er, „ob unsere freiheitliche Ordnung, die auf Regeln, Gesetzen und dem Grundgesetz beruht, in Zukunft noch Bestand haben wird.“ Die „stille Mitte“ der AfD-Wähler, die keine Rechtsextremisten sind, wäre zurückzugewinnen. Wenn nur in einem Bundesland die AfD so viele Stimmen bekommt, dass die in Teilen rechtsextreme Partei die Regierung stellen kann, „gerät unser Land auf eine schiefe Ebene.“ Was das heißt, führt Vinke in aller Deutlichkeit aus: Wer die AfD wählt, wählt die Demokratie ab. Der setzt Vielfalt, Erinnerungskultur, politische Bildung, Meinungsfreiheit, den Sozialstaat, die Freiheit aufs Spiel. Aber wir müssen nicht tatenlos zusehen. Was menschengemacht ist, können Menschen ändern.
- Kinder- ( und Jugend -)Hirne im Dauerstress (SZ v. 19.01.2026) Das Gebrüll der Populisten und jener, die es werden wollen, macht junge Menschen krank, legt eine Studie nahe. Wem das egal ist: Die Zukunftsfähigkeit des Landes dürfte es auch weiter schwächen.
- Gesellschaftliche Polarisierung: „Adorno hätten Sie problemlos als ‚Querdenker‘ ansprechen können“ Der Philosoph Ralf Konersmann findet, unserer Gesellschaft ist ein guter Umgang mit Außenseitern abhandengekommen. Er wünscht sich mehr echte Vielfalt und Verrücktheit (SZ v. 04.01.2026): „Es ist durchaus bedenklich, dass das Auseinanderdriften von Wissenschaft und Öffentlichkeit ein Feld eröffnet, auf dem sich Problematisches und Unseriöses breitmacht. Dennoch kann, wie ich meine, die Tatsache, dass das Internet dem Irrsinn großzügig Raum bietet, kein Argument gegen die Freiheit des Geistes sein. Und hier sehe ich die Funktion des Außenseiters – dessen also, der seinen eigenen Kopf gebraucht, seiner Erfahrung traut und den Mut zum ungenormten Urteil findet. „
- Zukunft gibt es nur mit Sicherheit. Gastbeitrag von Wilhelm Schmid in der SZ v. 11.01.2026: Wenn der Kampf gegen einen Aggressor den Alltag dominiert, kann man sich schwer für Umweltschutz und Gerechtigkeit einsetzen. Die Zeit ist reif, unser Verständnis von Nachhaltigkeit zu erweitern.
Öffentliches Recht – Verfassungsrecht – Völkerrecht
- Völkerrecht in der Krise – und als Krise. Vom Zerfall des Rechts und dem Kampf um Transformation. Balakrishnan Rajagopal auf Verfassungblog v. 23.01.2026
- Recht bleibt auch dann Recht, wenn ein Mächtiger sich nicht darum schert. Heribert Prantl in der SZ v. 08.01.2026: In den Stadien echter oder vermeintlicher Ohnmacht brauchen internationale Normen und das Völkerrecht Kräfte, die daran festhalten, die sie weiterentwickeln und ihnen beim Überwintern helfen.
Strafrecht & Kriminologie
- „Straffällige“, sich abweichend verhaltende Kinder brauchen Hilfe, keinen Prozess. Die Union diskutiert die Idee, zwölf- und dreizehnjährige Straftäter vor Gericht zu stellen, die Schwelle zur Strafmündigkeit abzusenken. Sinnvoller wäre es, eine ganz andere Institution zu stärken. SZ v. 12.01.2026 (hierzu siehe → „Vernunft in der Kriminalpolitik“ )
Sozial- und Erziehungswissenschaft – Soziale Arbeit – Kinder- und Jugendhilfe
- „Wir haben mehr Depressionen, mehr Ängste, mehr Traurigkeit, mehr Hoffnungslosigkeit“. Martin Holtmann, Leiter der LWL-Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamm, sieht eine Gesundheitskrise bei jungen Menschen. (SZ v. 19.01.2026)
Datenschutz, IT, KI und Digitale Medien
- „KI-Sprachmodelle können nur ,Bullshit‘ produzieren“. Seit mehr als 40 Jahren kämpft Richard Stallman für freie Software und gegen Programme, die ihre Nutzer kontrollieren. Er spricht über Spionage durch Apps, seine Abneigung gegen Cloud-Dienste und darüber, warum er sich nicht als einsamer Rufer in der Wüste sieht. Interview in der SZ v. 21.01.2026
Energie-, Klima-, Natur- und Umweltpolitik und Wissenschaft
- Klimaschutz – So steht es um die deutsche Energiewende. Eine Bestandsaufnahme von Michael Bauchmüller und Thomas Hummel,in der SZ vom 22.12.2025:
Streiflicht-Glossen der Süddeutschen Zeitung
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